Höhere Leitzinsen: China bremst den eigenen Boom - DER SPIEGEL
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Höhere Leitzinsen China bremst den eigenen Boom

Die USA kämpfen sich nur langsam aus der Rezession, Deutschland exportiert sich in den Aufschwung - und China hat ein Luxusproblem: Die Wirtschaft wächst zu schnell. Um den Boom zu bremsen, erhöht die Notenbank nun erstmals seit drei Jahren die Leitzinsen. Dax, Euro und Ölpreis sacken ab.
Broker in China: Erste Erhöhung der Leitzinsen seit drei Jahren
Broker in China: Erste Erhöhung der Leitzinsen seit drei Jahren

Broker in China: Erste Erhöhung der Leitzinsen seit drei Jahren

Foto: ALY SONG/ REUTERS
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Peking - Die Aktion kam überraschend: Die chinesische Notenbank hat am Dienstag ihre Geldpolitik gestrafft. Sie hat die Leitzinsen für Ausleihungen und für Einlagen von einem Jahr um je 0,25 Punkte erhöht. Es ist der erste Anstieg seit Ende 2007, seit dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise.

Nach der Erhöhung liegt der Einlagensatz nunmehr bei 2,5 Prozent, der Ausleihungssatz bei 5,56 Prozent. Die Zinserhöhung, zu der die Notenbank keine Erklärung abgab, soll am Mittwoch in Kraft treten.

Die Aktion der chinesischen Notenbank sorgte an den Börsen weltweit für kräftige Kursbewegungen. Der Dollar   und das britische Pfund legten deutlich zu, während der Euro   unter Druck geriet. Gold   und andere Rohstoffe verbilligten sich. Der Dax   drehte ins Minus. Der Ölpreis   fiel zeitweise um mehr als zwei Dollar, Analysten fürchten, dass Rohstoffproduzenten in China durch die Leitzinserhöhung weniger Geld in den Kauf von Materialien stecken.

Die Notenbank begründete ihre Zinsanhebung nicht. Ein Grund für den überraschenden Schritt könnten jedoch neue Konjunkturdaten sein, die am Donnerstag veröffentlicht werden. Die Daten zum Wachstum im dritten Quartal und neue Inflationszahlen könnten auf eine Überhitzung der chinesischen Wirtschaft hindeuten. Chinas Bruttoinlandsprodukt war im zweiten Quartal um 10,3 Prozent gewachsen. Für das dritte Quartal erwarten Analysten ein Plus von 9,5 Prozent.

"Die Entscheidung der Zentralbank folgt der Notwendigkeit, der Wirtschaft etwas Wind aus den Segeln zu nehmen", sagte Analyst Simon Derrick von der Bank of New York Mellon.

Zweifelhafter Kampf gegen die Inflation

Chinas Inflationsrate lag zuletzt bei 3,5 Prozent. Auch das spricht für höhere Leitzinsen. Denn diese legt fest, zu welchem Preis sich Geschäftsbanken bei der Notenbank mit Geld eindecken können. Steigt der Leitzins, werden Kredite teurer. Das wiederum dämpft die Nachfrage, was Wachstum und Preisanstieg dämpfen kann.

Allerdings hat eine Leitzinserhöhung auch gegenteilige Effekte. Die amerikanische Notenbank Fed hat unlängst angekündigt, frische Dollar drucken zu wollen, um US-Staatsanleihen zu kaufen. Diese Ausweitung der Geldmenge würde die USA als Anlageraum unattraktiver machen. Schon jetzt schichten viele Anleger ihr Geld nach Asien und in Schwellenländer wie Brasilien um - in der Hoffnung, dort höhere Renditen zu erzielen. Chinas höherer Leitzins erhöht auch für Anleger die Rendite - was dazu führen könnte, dass mehr Anleger ihr Geld in die Volksrepublik umschichten.

Zwar reguliert die Volksrepublik die Kapitalflüsse im eigenen Land rigide, doch auch sie kann nicht zu hundert Prozent verhindern, dass Anleger nach China drängen - beispielsweise über Investitionen in Hongkong. Somit besteht die Gefahr, dass die Inflation letztlich gar nicht gedrückt wird.

Trotzdem war Chinas Zinsschritt möglicherweise erst der Anfang. Viele Experten rechnen mit weiteren Erhöhungen. "Die Zinssatz ist zu niedrig für eine Volkswirtschaft, die um rund zehn Prozent wächst", sagte Nomura-Analyst Rob Subberaman. "Um größere Störungen zu vermeiden, muss China den Leitzins auf ein angemessenes Niveau heben."

ssu/dpa-AFX/Reuters