Inflation Preisschub plagt China
Lebensmittelmarkt in Peking: Dürre und andere Katastrophen verschärfen den Trend
Foto: GOU YIGE/ AFPPeking - Chinas Regierung bekommt die hohe Inflation nicht in den Griff: Die Verbraucherpreise sind im Mai um 5,5 Prozent gestiegen. Wie das Statistikamt am Dienstag in Peking berichtete, ist das die höchste Rate seit 34 Monaten. Die Regierung strebt eigentlich vier Prozent Inflation für das ganze Jahr an.
Besonders Lebensmittel werden schnell teurer. Den Zahlen zufolge stiegen die Kosten für Nahrungsmittel um 11,7 Prozent. Dafür wurden unter anderem Dürre und andere Naturkatastrophen sowie eine steigende Nachfrage verantwortlich gemacht.
Für die Regierung wird die Inflation zu einem immer größeren Problem. Betroffen sind vor allem arme Familien, die bis zur Hälfte ihres Einkommens für Essen ausgeben - und nun in Bedrängnis geraten. Dem Land drohen soziale Unruhen.
Um dem Inflationstrend entgegenzuwirken, hat Peking seit Oktober viermal die Zinsen erhöht, Unternehmen wurden zur Mäßigung bei Preiserhöhungen angehalten. Bislang waren alle Bemühungen vergeblich.
Am Dienstag straffte die chinesische Notenbank ihre Geldpolitik abermals. Der Mindestreservesatz für Geschäftsbanken wird erneut angehoben. Der Satz steigt um 0,5 Punkte auf nunmehr 21,5 Prozent. Der Mindestreservesatz beschreibt das Guthaben, das die Banken bei der Notenbank hinterlegt haben müssen. Je höher der Satz steigt, desto geringer ist die am Markt verfügbare Geldmenge. Der Mindestreservesatz wurde in diesem Jahr schon fünf Mal erhöht.
Industrieproduktion steigt stärker als erwartet
Die bisherigen Einschnitte konnten den Wirtschaftsboom kaum bremsen. So ist die Industrieproduktion im Mai deutlich höher ausgefallen als erwartet. Sie legte um 13,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu, wie das nationale Statistikbüro am Dienstag in Peking bekanntgab. Schon im April war die Industrieproduktion noch um 13,4 Prozent gestiegen.
Die Konjunkturdaten aus China schoben die Börsen in Fernost an. Der japanische Nikkei schloss knapp 1,1 Prozent im Plus bei 9547 Punkten. Auch die Märkte in Singapur, Taiwan, Südkorea, Australien, Shanghai und China verzeichneten Gewinne.
Chinas Konjunkturdaten zeigten, dass sich das Wirtschaftswachstum in China in einem langsameren Tempo als befürchtet abschwäche, sagten Analysten. "Die Zahlen stimmten fast mit den Prognosen überein, deswegen waren Anleger erleichtert", sagte der Analyst Tsuyoshi Kawata von SMBC Nikko Securities.