Inflation steigt auf 0,7 Prozent - DER SPIEGEL
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Inflationsrate "Hurra, die Preise steigen wieder"

Erstmals seit 2015 ist die Inflationsrate wieder auf 0,7 Prozent gestiegen. Sorge vor einer Geldentwertung muss niemand haben. Experten jubeln sogar.
Kunde im Supermarkt
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Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa
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Die Preise in Deutschland sind im September so stark gestiegen wie seit Mai 2015 nicht mehr. Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich 0,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das geht aus vorläufigen Berechnungen hervor, die das Statistische Bundesamt am Donnerstag veröffentlichte. Immerhin sind das 0,1 Prozentpunkte mehr als die Ökonomen erwartet hatten, und gleich 0,3 Prozentpunkte mehr als im August.

Dennoch bleibt die Inflation weit unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die Werte von knapp unter zwei Prozent als ideal für die Konjunkturentwicklung ansieht. Dämpfend auf den Preis des Warenkorbs wirkten sich wieder einmal die Kosten für Energie aus, die sich zum Vorjahr um 3,6 Prozent verbilligte. Die Preise für Nahrungsmittel stiegen hingegen um 0,4 Prozent.

Ökonom Stefan Kipar von der BayernLB geht davon aus, dass die EZB im Dezember ihr bis März 2017 laufendes Wertpapier-Ankaufprogramm zum Anheizen der Inflation ausweiten wird: "Und zwar wohl um sechs Monate und möglicherweise darüber hinaus. Denn für die EZB bleibt die Kernrate - also ohne Energie und Lebensmittel - noch deutlich unterhalb dessen, was sie sich vorstellt." Die Zentralbank hat dabei nicht nur Deutschland im Blick, sondern richtet ihre Geldpolitik an der gesamten Eurozone aus.

Kampf gegen die Abwärtsspirale

Die aktuellen Inflationsdaten aus Spanien dürften die Sorgen der Währungshüter dabei ein wenig gemildert haben: Dort stiegen die Preise im September erstmals seit Juli 2015 wieder - um 0,3 Prozent.

Die EZB kauft seit März 2015 im großen Stil Staatsanleihen der Euroländer, um für mehr Wachstum und Inflation zu sorgen. Sie will damit eine durch fallende Preise ausgelöste Deflation verhindern - also eine für die Konjunktur gefährliche Abwärtsspirale bei Löhnen, Preisen und Investitionen. Seit dem Frühjahr 2013 ist der als optimal geltende Wert von 2,0 Prozent aber nicht einmal mehr annähernd erreicht worden.

Daher sind höhere Lebenshaltungskosten in Deutschland aus volkswirtschaftlicher Sicht durchaus ein Grund zum Jubeln: "Hurra, die Preise steigen!", erläuterte KfW-Chefökonom Jörg Zeuner: "Das klingt verrückt, trifft es aber. Denn die aktuelle Preisentwicklung unterstreicht, dass Deflationsgefahren erst einmal abgewendet sind."

mik/Reuters