Irland: Exportwirtschaft als Trumpf-Ass - DER SPIEGEL
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Irland Exportwirtschaft als Trumpf-Ass

Ein ungeliebtes Rettungspaket, die Angst vor einer Bevormundung durch Europa und eine Regierung, die als Lügner dasteht: Die schlechte Stimmung in Irland droht die Wirtschaft des Landes lahmzulegen - dabei müssten die Unternehmen dringend mithelfen, den kriselnden Staat aus der Misere zu ziehen.
Dublin: Schrumpfende Einkommen ersticken jeden Kaufimpuls
Dublin: Schrumpfende Einkommen ersticken jeden Kaufimpuls

Dublin: Schrumpfende Einkommen ersticken jeden Kaufimpuls

Foto: PETER MUHLY/ AFP
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Es sah ganz danach aus, als habe sich Irland auf die Euro-Krise solide vorbereitet: Schon 2008 hatte die Regierung ihr erstes Sparpaket aufgelegt. Bis Ende des Jahres soll es zu Einsparungen von rund 14,5 Milliarden Euro führen - ganze neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Die neue Sparrunde fällt noch drastischer aus: Bis 2014 will Ministerpräsident Brian Cowen 15 Milliarden Euro zusammenkratzen - allein sechs Milliarden davon im kommenden Jahr. Das Etat-Minus von 32 Prozent soll in der Kürze der Zeit auf drei Prozent schrumpfen.

Bislang konnten sich die Iren auf eine florierende Wirtschaft stützen. Zwar erlebte das Bruttoinlandsprodukt 2009 mit einem Minus von sieben Prozent einen katastrophalen Einbruch. Doch die Erholung setzte dann so rasch ein wie in Deutschland. Im ersten Quartal verzeichneten die Statistiker wieder ein Plus von 2,2 Prozent, für das gesamte Jahr rechnet das Finanzministerium noch mit einem Plus von 1,0 Prozent. In den folgenden Jahren soll die Dynamik sogar noch zunehmen.

Doch die optimistischen Schätzungen könnten schnell Makulatur werden, denn der Schock über den Kniefall vor der EU sitzt tief bei den Iren. Und die depressive Stimmung - so die Befürchtung von Beobachtern - könnte die Wirtschaft negativ beeinflussen. Bereits jetzt dämpfen eine Arbeitslosenquote von 13 Prozent und drastisch gesunkene Einkommen jeden privaten Kaufimpuls.

Fünf Prozent der Privatschuldner im Zahlungsrückstand

Eine noch weit größere Gefahr droht von Seiten der privaten Hypotheken, die vielen Haushalten bereits jetzt jeden Spielraum entziehen. Weil aber der private Schuldenstand oft den aktuellen Wert des Hauses übersteigt, sind derzeit viele Iren gezwungen, zusätzliche Sicherheiten zu liefern. Sonst verlieren sie womöglich ihre Häuser. Im September waren nach Angaben der Zentralbank bereits mehr als fünf Prozent der Schuldner mit ihren Zahlungen mehr als 90 Tage im Rückstand.

Die Quote dürfte noch drastisch steigen, denn drei Viertel aller Hypothekendarlehen basieren auf variablen Zinsen, die mit jedem Zinsschritt der Zentralbank steigen.

Allerdings gibt es in Irland durchaus Hoffnung: Wenn sich die Exportwirtschaft nicht von der allgemeinen Lähmung anstecken lässt, zählt sie in jedem Fall zu den Aktivposten im Lande. Im Gegensatz zu den anderen Schuldnerländern verdient das verarbeitende Gewerbe Geld wie in seinen besten Zeiten.

So gilt die Industrie unter Experten als das Trumpf-Ass des Landes im Vergleich zu den anderen Schuldenkandidaten. Denn das Wachstum in diesem Sektor und das Sparpaket könnten die Sanierung gelingen lassen. Die Iren müssten sich nur noch einmal zu einer kollektiven Kraftanstrengung aufraffen. Allerdings müssten sie dazu - zumindest übergangsweise - einer Regierung folgen, der sie nach den Erfahrungen der Vergangenheit zutiefst misstrauen.

Michael Kröger