IWF-Interimschef Lipsky Der Anti-Strauss-Kahn
IWF-Manager John Lipsky: Zugeknöpft und ruhig
Foto: PHILIPPE LOPEZ/ AFPHamburg - Für den Internationalen Währungsfonds (IWF) sind die Sex-Vorwürfe gegen seinen Chef Dominique Strauss-Kahn nicht nur politisch heikel, sondern auch hochpeinlich. In dieser Situation erscheint sein Stellvertreter - zumindest was die Charakterbeschreibung angeht - als Gegenentwurf: Denn John Lipsky gilt als eher zugeknöpft und ruhig.
Nun ist die bisherige Nummer zwei des IWF geschäftsführend als Nachfolger von Strauss-Kahn im Amt. Es gilt als sicher, dass dieser seinen Posten abgeben muss. Doch dass Lipsky zum regulären neuen Chef des Fonds gewählt wird, ist unwahrscheinlich. Denn erst vor wenigen Tagen verkündete der frühere Investmentbanker, dass er den IWF im August verlassen wird. Dann endet nach fünf Jahren auch seine Amtszeit.
Strauss-Kahn hatte Lipsky gebeten, auch danach als Sonderbeauftragter für den IWF zu arbeiten. Denn der 64-jährige Finanzexperte gilt durch und durch als Mann des IWF mit guten Kontakten zur Wall Street. Zudem hat er den Ruf, Garant für Stabilität zu sein. So gilt es auch als Lipskys Verdienst, dass das Profil des IWF vor allem während der Finanzkrise von 2007 bis 2009 geschärft wurde. Auch für seine Arbeit bei den Verhandlungen über Rettungspakete für Griechenland, Irland und Portugal im Zuge der europäischen Schuldenkrise erhielt der Finanzmanager viel Lob.
Von JPMorgan zum IWF
Der promovierte Volkswirt ist seit September 2006 erster stellvertretender Chef des IWF. Zuvor arbeitete er viele Jahre als Investmentbanker. Zum Welt-Währungsfonds kam Lipsky direkt von der US-Bank JPMorgan, wo er der Führungsebene angehört hatte. Zudem hatte er bei der Bank und bei Salomon Brothers als Chefvolkswirt gearbeitet.
Noch vor seiner Zeit als Investmentbanker hatte Lipsky schon einmal zehn Jahre lang für den IFW gearbeitet. Anfang der achtziger Jahre leitete er unter dem deutschen IWF-Chef Horst Köhler eine Aufsichtsgruppe für die Finanzbranche.
"Der IWF bleibt voll funktionsfähig", hatte der Welt-Währungsfonds nach der Festnahme von Strauss-Kahn verkündet. Nun wird Lipsky in seinen letzten Monaten beim IWF nicht nur dafür sorgen müssen, dass Schuldenkrisen bewältigt werden. Er muss auch das angekratzte Image des Fonds aufpolieren.