Alterung, Armut, Arbeitslosigkeit IWF kappt US-Wachstumsprognose
New Yorker Börse: Längerfristiges Wachstumspotenzial nur noch zwei Prozent
Foto: DPAWashington - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatwegen des wetterbedingt schwachen ersten Quartals seine Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft im laufenden Jahr deutlich gesenkt. Der Fonds rechnet in seinem US-Länderbericht nur noch mit zwei Prozent Steigerung der Wirtschaftsleistung - zuvor ging der IWF von 2,8 Prozent aus.
Inzwischen scheine die Wirtschaft aber wieder in Fahrt zu kommen, heißt es in dem Länderbericht, so dass das Wachstum 2015 wie im April bereits geschätzt drei Prozent erreichen könnte. Das längerfristige Potenzial schätzt der IWF für die nächsten Jahre auf etwa zwei Prozent Wachstum. Das liegt etwas unter der bisher angesetzten Rate.
Für die anhaltende Schwäche gebe es zahlreiche Gründe, darunter die Alterung der Bevölkerung und die geringe Produktivität. Problematisch seien auch die relativ große Armut, eine hartnäckige Arbeitslosigkeit und Mängel im Steuerwesen.
Um die Konjunktur zu beleben, sind nach Einschätzung des IWF politische Reformen notwendig. Zugleich sei aber auch eine glaubwürdige mittelfristige Konsolidierungsstrategie nötig. Sollte es mit der Unterstützung der Finanzpolitik gelingen, dass Wachstum und Beschäftigung in den USA schnell wieder kräftig anspringen, könnte das einen früheren Rückzug aus der außergewöhnlichen expansiven Geldpolitik ermöglichen.
Insgesamt rechnen die IWF-Experten damit, dass es noch bis Ende 2017 dauern könnte, bis in den USA wieder Vollbeschäftigung herrscht. Da die Inflation niedrig bleiben werde, könnte der Leitzins noch bis in die zweite Jahreshälfte 2015 hinaus nahe null gehalten werden, hieß es in dem Bericht.
Zeitgleich mit der Veröffentlichung des IWF-Berichts teilte das US-Finanzministerium mit, dass im April überraschend langfristiges Kapital aus den USA abgeflossen ist. Per Saldo betrugen die Abflüsse aus der weltgrößten Volkswirtschaft netto 24,2 Milliarden Dollar. Erwartet waren hingegen Zuflüsse von 37,5 Milliarden Dollar. Im Vormonat hatten die langfristigen Nettokapitalzuflüsse noch bei mehr als vier Milliarden Dollar gelegen. Die USA benötigen einen hohen Zufluss an Kapital, um ihr Defizit in der Leistungsbilanz zu finanzieren.