Jahresprognose Währungsfonds hält Deutschland für noch stärker
Montage eines Schiffsantriebs: Durchwachsene Konjunktursignale aus den USA
Foto: Stefan Puchner/ dpaBerlin - Regierung, Forschungsinstitute und Organisationen - sie alle wurden überrascht von der Wucht des Aufschwungs im ersten Quartal. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat daher seine bisherige Schätzung für das Gesamtjahr aktualisiert: Die Wirtschaft in Deutschland könnte demnach auch 2011 um mehr als drei Prozent zulegen, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag unter Berufung auf den aktuellen IWF-Länderbericht mit.
Der Fonds hatte seine Prognose angesichts der guten wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands erst vor einem Monat um 0,3 Punkte auf 2,5 Prozent in diesem Jahr angehoben. Doch in den ersten drei Monaten war die deutsche Wirtschaft im Vergleich zum Schlussquartal 2010 um 1,5 Prozent gewachsen - und damit noch stärker als vermutet.
Der IWF forderte Deutschland daher dazu auf, seine aktuellen Wirtschaftserfolge durch eine längerfristige Stärkung seiner Wachstumskräfte auszubauen. Gelinge dies, sei das letztlich gut für Europa und die gesamte Weltwirtschaft.
Finanzprofis skeptisch
Einige Finanzexperten beurteilen die Aussichten in den kommenden Monaten allerdings skeptischer - auch wegen der Schuldenkrise im Euro-Raum. Die ZEW-Konjunkturerwartungen sanken im Mai um 4,5 Punkte auf 3,1 Punkte, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim mitteilte. Es war der dritte Rückgang in Folge. Der Index liegt damit weit unter dem historischen Mittelwert von 26,5 Punkten.
Aus dem Rückgang der Konjunkturerwartungen dürfe aber nicht auf ein baldiges Ende des Aufschwungs geschlossen werden, erklärten Volkswirte der Commerzbank. Sie erwarten im Gesamtjahr einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes in Deutschland um 3,4 Prozent.
"Deutschland hat die Folgen des Wirtschaftseinbruchs unerwartet schnell wettgemacht. Diese erfreuliche Dynamik wird sich indes nicht ungebremst fortsetzen", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Hinzu kämen Risiken wie die Schuldenkrise im Euro-Raum. Auch durchwachsene Konjunktursignale aus den USA und ein schwächerer Ausblick für China dürften die Erwartungen eher gedämpft haben.
Die aktuelle Lage beurteilten Analysten und institutionelle Anleger dagegen so gut wie nie zuvor. Der Indikator stieg auf 91,5 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit Beginn der Umfrage 1991. Ähnlich war das Bild für den Euro-Raum: Die Konjunkturerwartungen sanken um 6,1 auf nun 13,6 Punkte. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage verbesserte sich dagegen um 8,0 Punkte auf 13,6 Punkte.