Jörg Asmussen zur Euro-Krise - DER SPIEGEL
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EZB Asmussen fürchtet um Glaubwürdigkeit des Euro

Dringende Warnung von Jörg Asmussen: Der deutsche Top-Mann bei der Europäischen Zentralbank will Spekulanten, die auf den Crash des Euro setzen, keine Chance lassen. Indirekt reagierte er auch auf Bundesbank-Chef Weidmann, den derzeit schärfsten Kritiker der EZB-Krisenpolitik.
Euro-Symbol in Frankfurt: Zweifel am Bestand des Euro
Euro-Symbol in Frankfurt: Zweifel am Bestand des Euro

Euro-Symbol in Frankfurt: Zweifel am Bestand des Euro

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Arne Dedert/ dpa

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Frankfurt am Main - Jörg Asmussen, deutsches Direktoriumsmitglied der EZB, sieht die Gemeinschaftswährung in Gefahr: "Die Märkte preisen ein Auseinanderbrechen des Euro-Raums ein", sagte er am Montag in Hamburg. Solche systemischen Zweifel seien "dramatisch" - und für die EZB nicht akzeptabel. "Nur eine Währung, an deren Bestand es keinen Zweifel gibt, ist eine stabile Währung."

Asmussen betonte, man dürfe Spekulanten keine Chance lassen. Indirekt greift er damit seinen Kollegen Jens Weidmann an. Als Bundesbank-Präsident hat dieser bei geldpolitischen Entscheidungen der EZB ein Wörtchen mitzureden. Zuletzt hatte er den Kurs der EZB scharf kritisiert.

EZB-Chef Mario Draghi hatte Anfang August angedeutet, dass die Zentralbank bald wieder Staatsanleihen von Euro-Krisenländern kaufen könnte. Diese müssten allerdings durch die Rettungsfonds EFSF oder ESM flankiert werden. Zudem seien strike Sparauflagen für die betroffenen Staaten zwingend.

Weidmann hatte an diesen Plänen harsche Kritik geübt. "Eine solche Politik ist für mich zu nah an einer Staatsfinanzierung durch die Notenpresse", warnte Weidmann im Gespräch mit dem SPIEGEL. "In Demokratien sollten über eine so umfassende Vergemeinschaftung von Risiken die Parlamente entscheiden und nicht die Zentralbanken."

Asmussen gab in seiner Hamburger Rede nichts Neues zu den EZB-Plänen preis. Er wiederholte nur Draghis Linie. Allerdings warnte er deutlich vor den Risiken für die Euro-Zone.

Die sogenannten "Spreads" - also der Renditeabstand von Staatsanleihen der Krisenländer zu als ausfallsicher geltenden Papieren - spiegelten mittlerweile nicht mehr nur das Insolvenzrisiko einzelner Staaten wider, so Asmussen. Investoren sähen angesichts der unsicheren Zukunft der Euro-Zone "sogar ein Wechselkursrisiko, das es theoretisch in der Währungsunion nicht geben dürfte".

Im Klartext: Die Aufschläge sind so hoch, dass manche Investoren auch auf den Euro-Crash spekulieren.

Eine einheitliche Geldpolitik im Euro-Raum sei dadurch zunehmend behindert, warnte Asmussen. Mit deutlichen Folgen auch für die Realwirtschaft. Beispiel dafür: In den Euro-Ländern mit Hilfsprogrammen - Griechenland, Irland und Portugal - steigen seit Ende 2010 die Zinsen für Unternehmenskredite, obwohl die EZB die Zinsen für Zentralbankgeld niedrig halte.

Ein Hinweis auf derartige Störungen der Geldpolitik wird von den Märkten stets genau registriert. In der Vergangenheit haben EZB-Mitglieder so Anleihenkäufe begründet.

ssu/dpa-AFX