Kein Umtausch Sparkassen beheben Softwarefehler bei Karten mit Update
Berlin - Der Sparkassen- und Giroverband (DSGV) ist Vorreiter: Als erster der fünf im Zentralen Kreditausschuss (ZKA) zusammengefassten Spitzenverbände des Kreditgewerbes hat er die Behebung des Jahr-2010-Fehlers angekündigt. Dazu werde auf einen Austausch der betroffenen EC- und Kreditkarten der Kunden verzichtet, teilte der DSGV am Donnerstag mit. Stattdessen solle der Fehler über ein Software-Update behoben werden.
Unterdessen müssen Kunden beim Geldabheben an Bankautomaten und beim elektronischen Zahlungsverkehr in Geschäften weiter mit Problemen rechen. Noch immer akzeptieren nicht alle Geldautomaten und Einzelhandelsterminals in Deutschland die defekten Karten, teilte der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) mit.
Der DGSV will noch in dieser Woche einen konkreten Zeitplan und Handlungsempfehlungen für die Kunden veröffentlichen. Durch den Verzicht auf einen Austausch der Karten werde deren Funktionsfähigkeit sehr viel schneller hergestellt. Zudem könnten die Kunden nun ihre PIN behalten.
30 Millionen betroffene Karten
Von der Aktion betroffen seien Kreditkarten, die einen Chip enthalten und vor März 2009 ausgegeben wurden. Bei den EC-Karten könne der DSGV ausschließen, dass nach Juni 2009 ausgegebene Karten betroffen seien. Im Bereich des DSGV weisen rund 20 Millionen EC-Karten und rund 3,5 Millionen Kreditkarten den Fehler auf.
Insgesamt sind von dem Programmierfehler rund 30 Millionen der mehr als 100 Millionen in Deutschland ausgegebenen EC- und Kreditkarten betroffen. Bei den Privatbanken sind es 2,5 Millionen Karten, bei den Volks- und Raiffeisenbanken vier Millionen.
Zur Behebung des Fehlers prüften die vier anderen Spitzenverbände im ZKA derzeit eine Neukonfiguration der betroffenen Chips. Allerdings müssten die Voraussetzungen für ein Update der Software noch geschaffen werden, hieß es vom ZKA. Ein Sprecher der Privatbanken sagte, ein Austausch der fehlerhaften Karten könne nicht ausgeschlossen werden.
Bundesbank kritisiert Kreditinstitute
Der ZKA teilte weiter mit, dass die Akzeptanz von EC-Karten voraussichtlich bis Montag auch an den Händlerterminals wieder vollständig hergestellt sein sollte. Im Ausland funktionierten die betroffenen Karten dagegen lediglich an einem Teil der Händlerterminals, hieß es vom ZKA weiter. Zugleich warnte der Ausschuss davor, den Fehler durch Überkleben des Chips beheben zu wollen. Dadurch könnten sowohl die Karten als auch die Lesegeräte der Geldautomaten beschädigt werden.
Mit Blick auf eventuelle Mehrkosten sagte eine ZKA-Sprecherin, dass Kunden diese bei ihrer Hausbank per Kontoauszug nachweisen sollten. Sie könne sich nicht vorstellen, dass die Banken die Kulanz verweigerten.
Die Deutsche Bundesbank warf der Kreditwirtschaft Versäumnisse vor. Die Branche müsse "ihre Informationspolitik verbessern", sagte das für den Zahlungsverkehr zuständige Vorstandsmitglied der Zentralbank, Hans Georg Fabritius, dem "Handelsblatt". Er forderte die Banken auf, "Maßnahmen zu ergreifen, die sicherstellen, dass ein Problem dieser Größenordnung künftig nicht mehr auftreten kann". Zudem sei eine "sorgfältige Fehleranalyse" nötig, um die Karten wieder vollständig funktionsfähig zu machen.