Plus von 0,1 Prozent Deutsche Wirtschaft schrammt an Rezession vorbei
Container im Hamburger Hafen: Leichtes Wirtschaftswachstum
Foto: © Christian Charisius / Reuters/ REUTERSBerlin - Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal an einer Rezession vorbeigeschrammt. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Juli bis September um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Im zweiten Quartal war die Wirtschaft zudem nur um revidiert 0,1 Prozent geschrumpft, nicht um 0,2 Prozent, wie zunächst angenommen.
Das Mini-Wachstum ist psychologisch wichtig. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen Experten von Rezession.
"Positive Impulse kamen nach vorläufigen Berechnungen vor allem von den privaten Haushalten, die ihre Konsumausgaben kräftig erhöhten", erklärten die Statistiker. "Darüber hinaus legten die Exporte stärker zu als die Importe."
Im Vergleich zum dritten Quartal 2013 legte das Bruttoinlandsprodukt um 1,2 Prozent zu. Auch für das Gesamtjahr 2014 dürfte es zu einem Wachstum von rund 1,2 Prozent reichen, sagen die meisten Experten voraus. Für das kommende Jahr gehen die Prognosen aber auseinander: Während die Bundesregierung eine leichte Beschleunigung auf 1,3 Prozent erwartet, gehen die Wirtschaftsweisen von einem Rückgang auf 1,0 Prozent aus.
"Die Konjunktur läuft nur mit halber Fahrt", sagte Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands DIHK. "Das schwache Wachstum zeigt, wie die deutsche Wirtschaft unter den internationalen Krisen leidet, aber auch unter einem Vertrauensverlust in die heimische Politik."
"Am meisten beunruhigt die Investitionsschwäche", sagte Holger Sandte, Ökonom beim Finanzkonzern Nordea. "Heute unterlassene Investitionen schlagen sich morgen in verringerter Produktivität nieder. Im nächsten Jahr dürfte das Wachstum etwa bei einem Prozent liegen. Von einer Wachstumslokomotive kann nicht mehr die Rede sein."
Frankreich kommt in Schwung, Italien rutscht in die Rezession
Die französische Wirtschaft wächst indes wieder stärker. Das Bruttoinlandsprodukt legte von Juli bis September um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu, wie das Statistikamt Insee mitteilte. Das ist das erste Plus in diesem Jahr: Zu Jahresbeginn hatte es eine Stagnation gegeben, im Frühjahr ein Minus von 0,1 Prozent.
Die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone wird der EU-Kommission zufolge aber in der Konjunkturflaute verharren. Für 2014 insgesamt sagt sie nur ein Wachstum von 0,3 Prozent voraus, für 2015 von 0,7 Prozent. Das wirkt sich auch negativ auf die Staatsschulden aus. "Trotz spürbarer Ausgabenkürzungen dürften Frankreichs Staatsdefizit und die Schuldenstandsquote weiter steigen", erklärte die Kommission kürzlich.
Italiens Wirtschaft dagegen weiter auf Talfahrt. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im dritten Quartal um 0,1 Prozent, wie das Statistikamt Istat in Rom mitteilte. Bereits im Frühjahr war die Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent zurückgegangen. Zu Jahresbeginn war das Bruttoinlandsprodukt stagniert. Die italienische Wirtschaft dümpelt seit Jahren vor sich hin und rutschte dabei bereits mehrfach in die Rezession ab. Die Regierung erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt 2014 um 0,3 Prozent schrumpfen wird. Ministerpräsident Matteo Renzi will der Wirtschaft mit einer Arbeitsmarktreform Schwung verleihen.