Krisenangst Deutsche bunkern ihre Euro
Berlin - Konsum steht in Deutschland derzeit klar an zweiter Stelle. Zuerst kommt die Absicherung - die Absicherung vor der Armut. Diesen Trend belegen die Zahlen des Statistischen Bundesamts eindrücklich. Im Schnitt legten danach die Verbraucher 15,2 Prozent ihres verfügbaren Einkommens auf die hohe Kante. Allein seit vergangenem Jahr stieg die Quote damit um 0,2 Prozentpunkte.
"Höher war die Sparquote zuletzt im ersten Quartal 1993", sagte eine Statistikerin. : Die Verbraucher gaben 0,8 Prozent weniger aus als im Vorjahr. Das drosselte das Wachstum. Die Verbraucher sparen in der Regel im ersten Quartal besonders viel.
Doch auch bereinigt um saisonale Effekte brachten die Deutschen mehr Geld zur Bank: Mit 11,6 Prozent war die saisonbereinigte Sparquote ebenfalls so hoch wie seit 1993 nicht mehr und 0,3 Prozent höher als vor einem Jahr. Dabei spiele die Verunsicherung der Verbraucher eine Rolle, sagte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim: Häufig steigt die Sparquote in Deutschland in Rezessionen an. Die Verbraucher legen dann aus Angst vor Arbeitslosigkeit oder höheren Belastungen durch den Staat mehr Geld zur Seite.
Allerdings ist die Arbeitslosigkeit bisher kaum gestiegen, viele Firmen haben aus Sorge vor Fachkräftemangel Entlassungen mit dem Einsatz von Kurzarbeit vermieden, und inzwischen deuten Umfragen sogar wieder auf Neueinstellungen hin. Zudem hat sich die Regierung erst nach Quartalsende von den angekündigten Steuersenkungen verabschiedet.
"Die hohe Sparquote in Deutschland ist ein Phänomen", resümiert Kastens. Beim Sparen gehören die Deutschen weltweit zu den Spitzenreitern: In den USA etwa lag die Sparquote im März nur noch bei 2,7 Prozent und damit so niedrig wie seit September 2008 nicht mehr.