Großbritannien: Verkehrsminister will »Himmel und Hölle in Bewegung setzen«, um Fahrermangel zu bekämpfen - DER SPIEGEL
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100.000 Lkw-Fahrer fehlen Britischer Verkehrsminister will »Himmel und Hölle in Bewegung setzen«

Um den Fahrermangel zu bekämpfen, will die Regierung nun »alles tun, was nötig ist«, verspricht der Verkehrsminister. Unterdessen warnen Einzelhändler vor weiteren Engpässen. Es blieben nur zehn Tage, um das Weihnachtsgeschäft zu retten.
Geschlossene Zapfsäule an einer britischen Tankstelle: Fahrermangel mit Folgen
Geschlossene Zapfsäule an einer britischen Tankstelle: Fahrermangel mit Folgen

Geschlossene Zapfsäule an einer britischen Tankstelle: Fahrermangel mit Folgen

Foto: DANIEL LEAL-OLIVAS / AFP
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Der Treibstoff ist da – doch er kommt nicht dort an, wo er gebraucht wird, weil die Lkw-Fahrer fehlen. Nun verspricht die britische Regierung verstärkte Anstrengungen, um den Fahrermangel zu bekämpfen. »Wir werden Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um sicherzustellen, dass die Engpässe gelindert werden«, sagte Verkehrsminister Grant Shapps dem Sender Sky News.

Am Vortag hatte der Ölkonzern BP erklärt, einige seiner 1200 britischen Tankstellen schließen zu müssen, da es an Truckern für den Transport von Benzin und Diesel mangele. An Tankstellen in London und in Kent bildeten sich am Freitag Schlangen vor den Zapfsäulen, weil Autofahrer Engpässe befürchteten. Schätzungen zufolge fehlen der britischen Transportbranche derzeit rund 100.000 Fahrer. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass etwa 25.000 Trucker nach dem Brexit auf den europäischen Kontinent zurückgekehrt sind und dass die Coronapandemie die Ausbildung neuer Fahrer behindert.

»Wir werden alles tun, was nötig ist«, sagte der Verkehrsminister am Dienstag. Dabei bediente er sich der 2012 berühmt gewordenen Redewendung »whatever it takes«, mit der der damalige Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, die Finanzmärkte in der Eurokrise beruhigt hatte. Ziel sei, dass der Autoverkehr weiter normal laufe, sagte Shapps. Die Regierung arbeite hart daran, Gesetze zu ändern, um die Ausbildung neuer Lkw-Fahrer zu erleichtern. Wegen des Lockdowns in der Viruspandemie hätten 40.000 Interessenten keine Prüfungen abgenommen werden können.

Schon im August hatte die Schnellrestaurant-Kette McDonald's aufgrund von Problemen in den Lieferketten Milchshakes und bestimmte Getränke von den Speisekarten seiner britischen Filialen nehmen müssen. Dem Wettbewerber Nando's war Hühnerfleisch ausgegangen.

Shapps sagte, man müsse auch dafür sorgen, dass der Beruf des Lkw-Fahrers attraktiver werde. Großbritannien habe lange von billigen Arbeitskräften zumeist aus Osteuropa profitiert. Auf die Frage, ob die Regierung die Visabestimmungen für interessierte Trucker aus anderen Ländern lockern würde, sagte er, es würden alle Optionen geprüft.

Zuvor hatte es Forderungen gegeben, kurzfristig Visa für die Einreise solcher Fahrer zuzulassen. Damit solle die Lücke bis zur Ausbildung einer ausreichenden Zahl britischer Trucker geschlossen werden. Kurzfristig könnten internationale Fahrer helfen, auch wenn es wohl zu spät sei, um damit für eine störungsfreie Logistik des Weihnachtsgeschäfts der Einzelhändler zu sorgen, erklärte ein Vertreter der Branche. Langfristig brauche man aber höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten.

Nur noch zehn Tage, um das Weihnachtsgeschäft zu retten?

Unterdessen warnt der britische Einzelhandelsverband vor leeren Regalen zu Weihnachten: Die Lkw-Fahrer seien der Kleber, der die Lieferketten zusammenhalte, erklärte Andrew Opie, Vorstand des »British Retail Consortium«.

Ohne die Fahrer sei es unmöglich, Waren von Produzenten rechtzeitig in die Geschäfte zu bringen. »Wenn wir in den kommenden zehn Tagen keine neuen Fahrer finden, werden wir auf dem Spurt zum Weihnachtsgeschäft signifikante Verwerfungen sehen«, sagte Opie.

mic/Reuters