Steuerdebatte Reichster Franzose will Belgier werden
LVMH-Chef Arnault (Archivbild): Doppelte Staatsbürgerschaft beantragt
Foto: Chamussy/ dpaParis/Brüssel - Frankreichs reichster Mann hat eine ausländische Staatsbürgerschaft beantragt. Bernard Arnault, der 63-jährige Vorsitzende des Luxusgüter-Herstellers Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH), will Belgier werden. Das berichtet die belgische Zeitung "La Libre Belgique". Dem höheren französischen Steuersatz wolle er damit nicht entfliehen, beteuert Arnault.
Vermutungen, dass er sich dem Zugriff der französischen Steuerbehörden entziehen wolle, wies Arnault zurück. "Herr Bernard Arnault ist und bleibt in Frankreich steuerpflichtig", heißt es in der Stellungnahme. "Der eventuelle Erwerb der doppelten französisch-belgischen Nationalität ändert nichts an dieser Situation." Als Nordfranzose habe er schon immer enge Verbindungen zum Nachbarland Belgien gehabt, sein Unternehmen "Groupe Arnault" wolle zudem die Investitionen dort ausweiten.
Präsident François Hollande bringt er dennoch in Bedrängnis. In dem Land tobt ein Streit um den Spitzensteuersatz. Arnault ist kein Freund der Steuerpläne von Hollande. Der hatte im Wahlkampf versprochen, den Spitzensteuersatz auf 75 Prozent anzuheben. Ganz so drastisch wird die Steuer nun aber wohl nicht ausfallen. Erst vergangenen Mittwoch hatte Arnault dem Premierminister Jean-Marc Ayrault im persönlichen Gespräch seine Ablehnung klargemacht - da hatte er den Antrag in Belgien schon gestellt.
Hollandes politische Gegner versuchen nun, Arnaults Entscheidung auszuschlachten. Der ehemalige konservative Premierminister François Fillon macht die Regierung verantwortlich. "Wenn man dämliche Entscheidungen trifft, kommt man zu furchteinflößenden Ergebnissen", sagte der Politiker. Für ihn steht fest, dass Arnault aus steuerlichen Erwägungen handelt.
Auf rund 32 Milliarden Euro beziffert das Magazin "Forbes" Arnaults Vermögen. Das Blatt stuft ihn als viertreichsten Menschen weltweit ein. In Frankreich und Europa liegt er sogar auf Platz eins. Seit Jahrzehnten macht der erfolgreiche Manager aus dem Norden des Landes sein Geld unter anderem mit exklusiver Mode. So leitete er 1988 die Übernahme der Luxusgüter-Gruppe LVMH ein, deren Chef er heute ist.
Unmittelbare Steuervorteile kann Arnault aus dem Erwerb der belgischen Staatsbürgerschaft offenbar nicht ziehen, meinen Experten. Zwar stehen Reiche in Belgien besser, weil es dort keine Vermögensteuer gebe und nur eine geringe Steuer auf Kapital, schreibt "La Libre Belgique" unter Berufung auf Steuerexperten. Für die Besteuerung sei jedoch der Wohnsitz ausschlaggebend, nicht die Staatsangehörigkeit.