Manipulationsskandal - DER SPIEGEL
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Grafikstrecke: So funktioniert die Zinsmanipulation

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Manipulationsskandal Britische Bankenaufsicht reformiert Libor-System

Die britische Bankenaufsicht FSA zieht Konsequenzen aus dem Manipulationsskandal mit dem Libor-Zinssatz: Das bisherige System sei kaputt und müsse vollständig überarbeitet werden. Die Überwachung wird der Selbstkontrolle der Bankenbranche entzogen und an ein unabhängiges Gremium gegeben.
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London - Im Skandal um die Manipulation des Libor-Zinssatzes hat die britische Bankenaufsicht FSA ihren Untersuchungsbericht vorgelegt - und drastische Veränderungen angekündigt. "Das System ist kaputt und benötigt eine komplette Überarbeitung", sagte Martin Wheatley von der FSA. Wheatley hatte das System im Auftrag des britischen Finanzministeriums untersucht und am Freitag seinen Abschlussbericht vorgelegt.

Der im Juni aufgeflogene Skandal um den manipulierten Libor habe das Vertrauen der Bevölkerung in die Banken beschädigt, sagte Wheatley. "Heute drücken wir den Knopf für einen Neustart." Der britischen BBC sagte er: "Die Gesellschaft verlangt, dass die Menschen, die diese Art von Verbrechen begehen, den Preis dafür bezahlen - und wenn das in den schwersten Betrugsfällen Gefängnisstrafen einschließt, dann sollte das so sein."

"Die Öffentlichkeit hat das Vertrauen in das ganze System verloren"

Die Überwachung der Zinsermittlung wird demnach der British Banking Association (BBA) und damit der Selbstkontrolle der Bankenbranche entzogen. Künftig soll ein unabhängiges Gremium darüber wachen. Die Banken hatten nach langen Verhandlungen bereits Mitte der Woche auf ihr Privileg verzichtet. Darüber hinaus sollen Verstöße gegen die Libor-Regeln künftig strafrechtlich verfolgt werden können. Ferner sollen mehr Banken als bisher an dem Ermittlungsverfahren beteiligt werden, um Manipulationen zu erschweren.

"Die Öffentlichkeit hat das Vertrauen in die Banken, in die Finanzen, in das ganze System verloren", sagte Wheatley. "Wir müssen es jetzt wieder herstellen." Überlegungen, wonach der Libor-Satz als Referenzzins völlig abgeschafft und durch ein neues System ersetzt werden könnte, wurden jedoch verworfen. Der Chef der britischen Zentralbank, Sir Mervyn King, forderte die Umsetzung der Vorschläge "so schnell wie möglich."

Deutsche Bank unter Verdacht

Händlern der britischen Großbank Barclays waren Manipulationen am Libor-Satz nachgewiesen worden. Vorstandschef Bob Diamond musste deswegen seinen Hut nehmen. Die Bank musste 290 Millionen Pfund an die Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien sowie an das Justizministerium in Washington zahlen. Auch die britische Royal Bank of Scotland verhandelt mit den Aufsichtsbehörden über einen Vergleich. Gegenstand der Untersuchungen sind ferner mehrere weitere international tätige Großbanken, darunter auch die Deutsche Bank.

Der Libor-Zinssatz gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Als Referenzzins hat er aber auch enorme Bedeutung für die Finanzmärkte. Transaktionen im Wert von 300 Billionen US-Dollar (rund 232 Billionen Euro) hängen nach Schätzungen vom Libor-Zins ab. Der aktuelle Satz wird täglich am Finanzplatz London ermittelt, in dem bis zu 16 Banken ihr geschätzten Sätze an eine Zentrale geben. Der Mittelwert - bereinigt um die jeweiligen Extreme - gibt den Libor an. Den Vorschlägen zufolge sollen künftig statt Schätzungen die tatsächlichen Sätze herangezogen werden.

nck/dpa/Reuters