Entlastung von Arbeitnehmern Post-Chef Appel findet Robotersteuer sinnvoll
Industrieroboter in der Volkswagen-Produktion
Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance / dpaDer Vorstandschef der Deutschen Post hält eine sogenannte Robotersteuer zur Finanzierung staatlicher Aufgaben grundsätzlich für sinnvoll. "Man könnte zum Beispiel bei Arbeit, die von Menschen geleistet wurde, auf die Mehrwertsteuer verzichten - und nur die Arbeit von Robotern besteuern", sagte Frank Appel der "Welt am Sonntag". "Man sollte das zumindest einmal durchdenken."
Die Idee einer Roboter- oder Maschinensteuer gibt es schon länger. Erneut ins Spiel gebracht wurde sie Anfang Juni vom österreichischen Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ). Angesichts der zunehmenden Automatisierung des Arbeitslebens sei fraglich, ob die Sozialsysteme weiter allein durch Lohnarbeit finanziert werden können. Kern stieß jedoch auf deutlichen Widerstand des konservativen Koalitionspartners ÖVP, der ihm eine Gefährdung des Standorts Österreich vorwarf.
Post-Chef Appel verwies hingegen darauf, dass beispielsweise auch Lebensmittel bei der Mehrwertbesteuerung bevorzugt behandelt werden. Ziel einer Robotersteuer müsse sein, "Menschen in die Lage zu versetzen, einen wertvollen und daher auch regulär entlohnten Beitrag zu leisten".
Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürger lehnte Appel hingegen ab. "Zu glauben, der Staat müsse den Menschen nur Geld geben, dann könnten sie schon ein erfülltes und zufriedenes Leben führen, ist falsch."
Die Digitalisierung sei weniger eine Gefahr als vielmehr eine Riesenchance, so Appel. Dass dadurch viele bestehende Jobs verloren gehen könnten, sorge ihn nicht. Das Ziel könne nicht sein, in 50 oder 100 Jahren noch Arbeitsplätze anzubieten, "deren Inhalt darin besteht, einen einzigen Prozessschritt bei der Montage eines Handys zu erledigen". Die Beschäftigten sollten stattdessen "Aufgaben übernehmen, bei denen der Mensch wirklich unentbehrlich ist. Etwa in der Altenpflege".