Krim-Krise Oettinger trifft ukrainischen Energieminister
EU-Energiekommissar Oettinger: Unsichere Versorgung
Foto: Tobias Hase/ dpaHamburg - Das Spitzentreffen findet mitten in der politischen Krise statt. Der ukrainische Energieminister Juri Prodan wird am Dienstag mit EU-Energiekommissar Günther Oettinger zusammensitzen, das wurde SPIEGEL ONLINE in Brüssel bestätigt. Von einem Krisengipfel könne allerdings keine Rede sein, hieß es. Das Treffen finde im Rahmen langfristiger politischer Weichenstellungen statt.
Die EU-Kommission sei beauftragt worden, eine Studie über die Versorgungssicherheit der Europäischen Union zu erstellen, hieß es in Brüssel. Im Rahmen dieser Erhebung trage man Informationen zusammen, auch darüber, wie sich die EU von ausländischen Gasquellen unabhängiger machen kann. Die Studie soll bis Mai fertiggestellt werden, entsprechend tage die EU-Gaskoordinierungsgruppe schon vor ihrem nächsten planmäßigen Termin. Dieser wäre erst Ende Mai gewesen.
Beraten werde am Dienstag unter anderem über eine Umkehr des Gasflusses von EU-Staaten in die Ukraine, über eine Modernisierung der europäischen Gasnetze und über eine höhere Energieeffizienz in der Ukraine, hieß es in Brüssel.
Die Ukraine hatte vor wenigen Wochen die Halbinsel Krim an Russland verloren. Jetzt gehen prorussische Demonstranten auch im Osten des Landes immer massiver auf die Barrikaden. Die Regierung in Kiew fürchtet eine weitere Abspaltung und beschuldigt Moskau, die Rädelsführer anzustiften.
Der Streit zwischen den Regierungen in Moskau und Kiew hat die Sorge geweckt, dass Russland die Ukraine von der Gasversorgung abklemmen könnte. Es wird diskutiert, in diesem Fall die Fließrichtung mancher Pipelines umzukehren und Gas aus Europa in die Ukraine zu leiten, zum Beispiel über die Slowakei. Technisch ist das möglich. Experten zufolge würde eine Umrüstung jedoch einige Monate dauern.
Die EU erhält ein Drittel ihres Erdgases aus Russland. Davon fließen 40 Prozent über die Ukraine. Das russische Gas könnte allerdings auch an der Ukraine vorbei nach Europa geleitet werden. Vor allem die Ostsee-Pipeline Nord Stream hat freie Kapazitäten. Etwas Platz ist auch in den Gas-Pipelines durch Weißrussland und in der Schwarzmeer-Pipeline Blue Stream.