Briefkastenfirmen-Leak Empörung, Reue, Trotz - das Wichtigste zu den Panama Papers
Mossack-Fonseca-Büro in El Salvador
Foto: JOSE CABEZAS/ REUTERSIn El Salvador ist das örtliche Büro der panamaischen Finanzkanzlei Mossack Fonseca durchsucht worden. Bei der Razzia in dem Büro der Kanzlei, die im Zentrum der Panama-Papers-Enthüllungen steht, seien zahlreiche Computer beschlagnahmt worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit.
Die Behörden hätten sich dazu entschlossen, nachdem beobachtet worden war, wie die Angestellten das Firmenschild abschraubten, sagte der Generalstaatsanwalt bei einem Besuch vor Ort. Bei der Razzia seien 20 Computer und eine große Zahl an Dokumenten sichergestellt worden.
Örtlichen Medienberichten zufolge wurden die von der Finanzkanzlei gegründeten Briefkastenfirmen von ihren Kunden in El Salvador benutzt, um ohne Kenntnis der Behörden Hunderttausende Dollar zu verschieben.
Ein Konsortium internationaler Medien unter Führung der "Süddeutschen Zeitung" hatte vor rund einer Woche begonnen, über die Existenz von Zehntausenden Briefkastenfirmen zu berichten, in denen Politiker, Prominente und Sportler aus aller Welt ihr Vermögen geparkt haben sollen. Die Enthüllungen waren durch ein Datenleck möglich geworden.
Briefkastenfirmen-Verwalter Ramon Fonseca
Foto: Arnulfo Franco/ APMossack-Fonseca-Gründer verteidigt Geschäftsmodell
Der Mitgründer der Kanzlei in Panama-Stadt, Ramon Fonseca, verteidigte sein Geschäftsmodell gegen Kritik. Der "Bild"-Zeitung sagte Fonseca: "Wir machen nichts anderes als Tausende Anwälte rund um die Welt: Wir gründen Firmen und Treuhandfonds. Das sind völlig legale Geschäfte. Und normale in einer Welt, in der niemand mehr Geschäfte unter dem eigenen Namen betreiben möchte."
Die von der Kanzlei gegründeten Briefkastenfirmen würden "für allerlei Zwecke verwendet, in 99,99 Prozent der Fälle für gute", sagte Fonseca. Er sagte auch, die Kanzlei trage keine Verantwortung für das, was mit den Firmen gemacht werde. Bislang habe sich aber noch keine Ermittlungsbehörde an seine Kanzlei gewandt. "Wir kooperieren vollständig. Aber bisher wurden wir noch von niemandem kontaktiert."
Fonseca sagte, seine Kanzlei wisse, aus welchem Land der Hackerangriff auf die Dateien gekommen sei, dürfe es aber nicht sagen: "Wir wurden gehackt, von einem Computer aus Übersee. Ich möchte weitere Nachforschungen über die Täter nicht gefährden."
Panamas Präsident Juan Carlos Varela (rechts)
Foto: Alejandro Bolivar/ dpaPanamaische Regierung kündigt diplomatische Offensive an
Die Regierung Panamas kämpft unterdessen um den internationalen Ruf des Landes. Präsident Juan Carlos Varela kündigte nach einem Telefonat mit seinem französischen Amtskollegen François Hollande eine diplomatische Offensive an. Frankreich hat angekündigt, Panama erneut auf seine schwarze Liste von Steueroasen zu setzen. Zudem steht das Land auf der entsprechenden Liste der Industrieländerorganisation OECD.
Die panamaische Regierung hatte Frankreich zunächst mit Gegenreaktionen gedroht. Am Freitagabend sagte Präsident Varela zwar, der Schritt der französischen Regierung sei "falsch und unnötig": "Aber zuerst setzen wir auf Diplomatie, Dialog und Kooperation." Der Finanzminister Panamas werde kommende Woche nach Paris reisen. Dort ist auch der Hauptsitz der OECD. Zuvor hatte Hollande Varela aufgefordert, mit den französischen Ermittlungsbehörden zu kooperieren. Dem französischen Finanzministerium zufolge verweigert Panama bisher weiter die Herausgabe von Informationen wie die Hintermänner von Konten.
Protest gegen britischen Premier Cameron
Foto: Dan Kitwood/ Getty ImagesBritischer Premier räumt Fehler ein
Der britische Premierminister David Cameron hat einen unglücklichen Umgang mit den Enthüllungen eingeräumt. "Das war keine gute Woche", sagte Cameron am Samstag beim Parteitag seiner Konservativen in London. "Ich weiß, dass ich damit besser hätte umgehen müssen", fügte er hinzu. Schuld seien nicht seine Berater, sondern er selbst. Er habe seine Lektion gelernt, sagte der Premier.
Bei der Versammlung versprach Cameron zudem Daten aus seinen jüngsten Steuererklärungen zu veröffentlichen. Er werde nicht nur seine diesjährige Erklärung, sondern auch die Angaben vergangener Jahre offenlegen, sagte er: "Ich werde der erste Premierminister, der erste Anführer einer größeren Partei sein, der dies tut", sagte er.
Cameron hatte am Donnerstag erst unter dem Druck der Medien eine Beteiligung an der Briefkastenfirma seines verstorbenen Vaters eingeräumt. "Die Tatsachen sind folgende", sagte er am Samstag. "Ich habe Aktien eines Investmentfonds gekauft. Aktien, die wie alle anderen Arten von Aktien sind, und ich habe auf sie in der gleichen Weise Steuern bezahlt." Weiter führte er aus: "Tatsächlich habe ich alle Aktien, die ich besaß, verkauft, als ich Premierminister wurde."
Nach seinen Angaben hatten er und seine Ehefrau die Anteile im April 1997 für 12.497 Pfund gekauft und im Januar 2010 für 31.500 Pfund (heute fast 39 000 Euro) verkauft.
Am Regierungssitz in der Londoner Downing Street protestierten unterdessen am Samstag Hunderte Menschen gegen den britischen Regierungschef. "Cameron muss gehen", riefen einige Demonstranten. Viele von ihnen hatten Panama-Hüte auf, andere trugen Hawaii-Hemden.