Ermittlungsverfahren Wohnung von IWF-Chefin Lagarde durchsucht
Ermittlungsverfahren: Wohnung von IWF-Chefin Lagarde durchsucht
Foto: LISI NIESNER/ REUTERSParis - Der Rechtsstreit dauert bereits mehrere Jahre an, nun wurde eine Wohnung von Christine Lagarde, der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), durchsucht. Lagardes Anwalt Yves Repiquet sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Aktion werde die Wahrheit ans Licht bringen und "zeigen, dass meine Klientin unschuldig ist". Lagarde sei in der Angelegenheit noch nicht befragt worden, fügte der Anwalt hinzu.
In dem Ermittlungsverfahren gegen Lagarde geht es um die Veruntreuung öffentlicher Gelder und um Amtsmissbrauch. Konkret steht ihre Rolle bei staatlichen Zahlungen an den französischen Unternehmer Bernard Tapie im Mittelpunkt. Lagarde habe nach ihrem Antritt als Wirtschafts- und Finanzministerin 2007 "Maßnahmen ergriffen, die sich gegen das Gesetz wendeten", heißt es in einem Bericht des Generalstaatsanwalts Jean-Louis Nadal.
Tapie war unter François Mitterand selbst Minister und führte einst den Fußballverein Olympique Marseille. Außerdem war er Hauptaktionär bei Adidas. Weil er 1993 dringend Geld brauchte, verkaufte er Aktien des Sportartikelherstellers an die damalige Staatsbank Crédit Lyonnais - für zwei Milliarden Francs. Die Bank verkaufte sie kurz darauf für das Doppelte. Tapie fühlte sich betrogen und zog vor Gericht.
Nach einem jahrelangen Rechtsstreit zwischen Tapie und der Crédit Lyonnais beauftragte Lagarde 2008 ein Schiedsgericht, den Fall zu lösen - gegen den Rat der Experten ihres Ministeriums. Das Gericht sprach Tapie 258 Millionen Euro aus der Staatskasse zu. 45 Millionen Euro wurden Tapie allein als steuerfreies Schmerzensgeld gezahlt, auch diese Summe soll auf eine Anweisung Lagardes zurückgehen.
Lagarde streitet alle Vorwürfe ab: "Da will jemand eine Rechnung begleichen", sagte ihr Anwalt Repiquet dem SPIEGEL im Juni 2011. Seine Mandantin habe sich nichts zuschulden kommen lassen.