Post-Streik: "Ver.di gefährdet Arbeitsplätze" - DER SPIEGEL
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Briefträgerstreik Post-Chef wirft Ver.di Eigeninteresse vor

Viele Briefkästen werden wegen des unbefristeten Streiks bei der Post vorerst leer bleiben. Konzernchef Frank Appel fragt sich, ob die Gewerkschaft Ver.di bei dem Ausstand die Interessen der Arbeitnehmer verfolgt - oder eher die eigenen.
Post-Mitarbeiter: Unbefristeter Streik
Post-Mitarbeiter: Unbefristeter Streik

Post-Mitarbeiter: Unbefristeter Streik

Foto: Patrick Seeger/ dpa
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Der Chef der Deutschen Post AG hat der Ver.di-Führung indirekt vorgeworfen, eigene Interessen auf dem Rücken der Post-Mitarbeiter auszutragen. Es stelle sich die Frage, ob Ver.di im Tarifkonflikt mit der Post "vorrangig Eigeninteressen oder die wirklichen Interessen der Arbeitnehmer" verfolge, sagte Frank Appel der "Bild"-Zeitung.

Die Post-Beschäftigten hatten am Montag mit einem unbefristeten Streik begonnen. Hintergrund ist der festgefahrene Tarifkonflikt, in dem es vor allem um die schlechtere Bezahlung bei den umstrittenen neuen Regionalgesellschaften der Post geht. Die Mitarbeiter dort werden nicht nach dem Haustarifvertrag bezahlt, sondern nach den niedrigeren Tarifregelungen der Speditions- und Logistikbranche. Ver.di sieht darin einen Bruch früherer Vereinbarungen.

Der Unternehmenschef warnte, Ver.di würde mit dem Arbeitskampf die Existenz von Arbeitsplätzen im Unternehmen gefährden. "Wir verstehen nicht, was Ver.di gegen 6000 unbefristete Arbeitsplätze hat, die nach Ver.di-Tarifverträgen bezahlt werden und immer noch 50 Prozent über den Löhnen unserer Wettbewerber liegen", sagte der Post-Chef. "Wenn wir so weitermachen, entstehen neue Arbeitsplätze in der Paketzustellung nur noch bei der Konkurrenz." Das Nebeneinander verschiedener Löhne gebe es bei der Post zudem schon seit vielen Jahren - und das mit Zustimmung von Ver.di.

Zugleich zeigte sich Appel zuversichtlich, den bundesweit unbefristeten Post-Streik gut bewältigen zu können. "Wir hatten ja in diesem Jahr schon 28 Streiktage und können damit umgehen", sagte Appel. Sein Unternehmen setzte als Ersatz für die streikenden Mitarbeiter Kollegen aus Verwaltung und Vertrieb sowie externe Dienstleister ein. "Und unsere rund 40.000 Beamten arbeiten auch wie jeden Tag."

Zuletzt hatte die Gewerkschaft angeboten, auf eine lineare Einkommenserhöhung in diesem Jahr zu verzichten. Im Gegenzug forderte sie aber, die Beschäftigten der 49 Regionalgesellschaften nach Haustarif zu bezahlen. Dieses Vorgehen lehnte die Deutsche Post am Montag ab, da es durch eine Mehrbelastung von 300 Millionen Euro den "bestehenden Wettbewerbsnachteil" weiter verschärfen würde.

ssu/AFP