Prüfung für Europas Banken: Die wichtigsten Fakten zum Stresstest - DER SPIEGEL
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Prüfung für Europas Banken Die wichtigsten Fakten zum Stresstest

Wie sehen die Kriterien der Londoner Aufseher konkret aus? Worum geht es bei dem Test? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Banken in Frankfurt: Den Staatsbankrott ausgeklammert
Banken in Frankfurt: Den Staatsbankrott ausgeklammert

Banken in Frankfurt: Den Staatsbankrott ausgeklammert

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer wird getestet?

91 Institute hat die europäische Bankenaufsicht in den vergangenen Monaten durchleuchtet. Die Geldhäuser sollen mindestens 60 Prozent des Bankensektors in Europa und mindestens 50 Prozent in jedem einzelnen Land abdecken. Folgende deutsche Banken haben an dem Stresstest teilgenommen:


Was soll die Untersuchung bringen?

Kurz gesagt: Das in der Finanzkrise verlorengegangene Vertrauen der Investoren in die Banken soll wieder hergestellt werden. Die Institute sollen auf zehn eng bedruckten Seiten beweisen, dass sie mit einer erneuten Krise besser fertig würden. Das galt schon beim ersten Test 2010. In diesem Jahr spielt die Euro-Krise jedoch die bedeutendere Rolle. Denn in der Zwischenzeit mussten nach Griechenland auch Irland und Portugal von den europäischen Partnern gerettet werden. Aktuell sorgen sich die Staats- und Regierungschefs zusätzlich um Italien. Würden mehrere Banken eines Krisenlandes durchfallen, würde das die Lage weiter verschärfen.


Wie sehen die Kriterien aus?

Der Stresstest untersucht anhand von Szenarien, wie resistent die Banken gegen Krisen sind. Bestanden haben alle Institute, die unter diesen Bedingungen eine Kernkapitalquote von mindestens fünf Prozent haben. Vereinfacht formuliert sagt diese Kennziffer aus, wie viele dauerhafte Eigenmittel die Banken im Vergleich zu vergebenen Krediten haben.

Beim ersten Test 2010 gab es drei Szenarien, dieses Mal sind es laut EBA zwei. Szenario eins sieht so aus: Die Wirtschaft in Europa wächst in diesem und im kommenden Jahr wie erwartet, alles bleibt, wie es ist.

Das zweite Szenario ist spannender: Danach schrumpfen die Volkswirtschaften in Europa bis Ende 2012, das Bruttoinlandsprodukt fällt um vier Prozent niedriger aus als derzeit prognostiziert. Die Arbeitslosigkeit und Zinsen steigen drastisch, die Aktienkurse brechen ein.

Allerdings gilt das Szenario zwei als sehr unwahrscheinlich. Die Europäische Zentralbank (EZB) schätzt die Chancen, dass es eintritt, 2011 auf ein Prozent und 2012 auf vier Prozent ein.

Zwischenzeitlich wurde auch über ein drittes Szenario spekuliert, nämlich die Pleite eines Euro-Landes. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht.


Wie glaubwürdig ist das Prozedere?

Fachleute kritisieren, dass der Stresstest die Frage des Bankrotts eines Euro-Landes zumindest nach offiziellen Angaben wie schon 2010 ausklammert - und damit seine Glaubwürdigkeit in der jetzigen Krise verliert.

Nach Ansicht von Experten müssten zudem mehr Banken durchfallen als 2010, was auch erwartet wird. Damals hatten sieben von 91 Geldhäusern den Test nicht bestanden, darunter die verstaatlichte deutsche Immobilienbank Hypo Real Estate. Die EBA hat ihre Vorgaben daher überarbeitet, nach Ansicht von Kritikern aber verschlechtert. Deutsche Banken etwa bemängeln, dass der Stresstest die Regeln der neuen Basel-III-Eigenkapitalvorschriften vorwegnimmt - und ihnen schon heute strenge Regeln auferlegt, obwohl dafür eigentlich mehr als zehn Jahre Zeit sein sollten.


Was droht Banken, die durchfallen?

Im schlimmsten Fall droht durchgefallenen Instituten die Massenflucht von Kunden und Investoren. Europas Finanzminister dringen daher darauf, dass der Test Konsequenzen hat. Wenn eine Bank durchfällt, soll sie binnen drei Monaten Gegenmaßnahmen ergreifen und sich bis Jahresende mehr Kapital besorgen. Schafft ein Institut das nicht, springen die Regierungen ein - wie schon 2008 in der Finanz- und Bankenkrise. Institute, die nur mit Mühe bestehen, sollen unter verschärfte Beobachtung der nationalen Aufseher gestellt werden.

Laut Europäischer Bankenaufsicht EBA werden alle Staaten mit der Bekanntgabe der Ergebnisse am Freitag eine abgestimmte Erklärung herausgeben, in der sie "relevante Auffangmaßnahmen" nennen. Dort listet jeder EU-Staat auf, welche Instrumente er einsetzen könnte: Kapitalspritzen, Garantien oder Bürgschaften zur Auslagerung fauler Wertpapiere. Im Extremfall steht sogar die Schließung einer Bank an.


Was fürchten die deutschen Banken?

Die deutsche Bankenbranche fürchtet, dass detaillierte Ergebnisse einen zu tiefen Einblick in die Strategien und Risiken einer Bank gewähren. So müssen sie Kredit- und Staatsanleihen-Risiken genau nach Ländern und Laufzeiten aufschlüsseln. Damit läge offen, wie stark einzelne Institute in Euro-Krisenländern unter Druck sind, kritisieren sie. Zudem würde sich die Verhandlungsposition der Banken verschlechtern: Je mehr über ihr Engagement in bestimmten Ländern bekannt ist, desto genauer könnte die Politik ihre Beteiligung an Rettungspaketen planen.


Dieser Inhalt verwendet veraltete Technologien und steht daher nicht mehr zur Verfügung

Mit Material von dpa und Reuters

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