Schuldenkrise: Banken prüfen Rettungsbeitrag für die Griechen - DER SPIEGEL
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Schuldenkrise Banken prüfen Rettungsbeitrag für die Griechen

Das zweite Hilfspaket für Griechenland ist geschnürt, es umfasst 130 Milliarden Euro. Doch ohne massiven Schuldenerlass durch die privaten Gläubiger ist das immer noch zu wenig. Die Frage ist nur: Machen Ackermann und Co. überhaupt mit?
Bankentürme in Frankfurt am Main: Der Schuldenschnitt kommt - freiwillig oder erzwungen
Bankentürme in Frankfurt am Main: Der Schuldenschnitt kommt - freiwillig oder erzwungen

Bankentürme in Frankfurt am Main: Der Schuldenschnitt kommt - freiwillig oder erzwungen

Foto: Arne Dedert/ dpa
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Hamburg - Es soll der große Durchbruch sein: Seit Oktober 2011 hatte die griechische Regierung mit dem Internationalen Bankenverband (IIF) darüber verhandelt, wie hoch der Schuldenschnitt der privaten Gläubiger ausfallen kann. Über Wochen schleppten sich die Verhandlungen ergebnislos dahin. Doch plötzlich schienen sich die Parteien zu einigen.

In der Marathonsitzung in der Nacht von Montag auf Dienstag übten die Euro-Länder offenbar massiven Druck auf den Bankenverband aus, der von IIF-Präsident Charles Dallara, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Jean Lemierre von der französischen Großbank BNP Paribas vertreten wurde. Nach 13 Stunden legte der IIF ein neues Angebot vor: Die privaten Inhaber griechischer Staatsanleihen, also Banken, Versicherungen, Privatanleger und Fonds, wollen auf exakt 53,5 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Aber wie geht es nach dieser grundlegenden Übereinkunft weiter mit der Umschuldung?

Insgesamt besitzen die vom IIF vertretenen Gläubiger griechische Staatsanleihen im Wert von gut 200 Milliarden Euro. Durch den jetzt angestrebten Forderungsverzicht würden Griechenlands Schulden von insgesamt 350 Milliarden Euro um 107 Milliarden Euro sinken. Der Plan klingt simpel: Banken, Fonds und Versicherungen tauschen ihre alten griechischen Staatsanleihen in neue Papiere mit geringerem Wert. Wer also einen Euro investiert hat, bekommt dafür jetzt nur noch 46,5 Cent.

Die neuen Staatsanleihen haben zudem eine längere Laufzeit und niedrigere Zinsen. Die Zinssätze für die neuen Anleihen beginnen bei niedrigen zwei Prozent, steigen später auf drei Prozent und erst nach 2020 auf 4,3 Prozent. Die Kombination aus dem Schuldenschnitt von 53,5 Prozent und dem Tausch in geringer verzinste Anleihen bedeutet, dass die Gläubiger insgesamt bis zu 74 Prozent verlieren - sofern sie die Papiere zum Nennwert gekauft haben.

Hohe Beteiligung ungewiss

Für langfristig orientierte Investoren dürfte das Umschuldungsangebot trotzdem interessant sein, immerhin können sie einen Teil ihrer Investition sichern. Die neuen Papiere haben nämlich eine Art Airbag eingebaut. Mit 30 Milliarden Euro aus dem 130-Milliarden-Euro-Paket werden die neu ausgegebenen Staatsanleihen gegen einen Zahlungsausfall Griechenlands abgesichert. Das ist auch der Grund, weshalb der Schuldenschnitt parallel zum zweiten Hilfspaket verhandelt wurde - das eine funktioniert nicht ohne das andere.

Ob eine ausreichende Zahl von privaten Gläubigern das Angebot annimmt, ist aber fraglich: Erst in den kommenden Tagen wird das konkrete Angebot vorliegen. Wie das genau funktioniert, ob die griechische Regierung jeden Gläubiger einzeln anschreibt, oder ob der IIF seine Mitglieder kontaktiert, ist auch den beteiligten deutschen Banken nicht klar.

Der Bundesverband deutscher Banken zeigt sich aber zuversichtlich, dass sich seine Mitglieder beteiligen werden. "In den vergangenen Monaten haben sich die Institute auf die kommende Umschuldung eingestellt und einen Teil der Abschreibungen bereits vorweggenommen.", sagte Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer. "Deshalb gehe ich davon aus, dass sich die privaten Gläubiger insgesamt zahlreich an dem Kompromiss beteiligen werden".

Zwangsverzicht per Gesetz bleibt letzter Ausweg

Ob das auch für die Versicherungen oder die anderen europäischen Banken gilt, ist allerdings unklar. Sicher ist dagegen: Bis sich Banken, Versicherungen und Fonds entschieden haben, ob sie bei dem Schuldenschnitt mitmachen, werden wieder Tage vergehen. Die griechische Regierung wird vermutlich noch in dieser Woche die Einzelheiten des Angebots vorlegen. Die privaten Gläubiger dürften dann zwei Wochen Bedenkzeit bekommen. Am 9. März soll dann klar sein, ob sich die 90 Prozent der Gläubiger beteiligen, die notwendig wären. Vor allem Hedgefonds sind dazu aber nicht bereit, sie pochen auf einer Begleichung der gesamten Schuld.

Lehnen zu viele Gläubiger das Angebot ab, bleibt der Regierung in Athen nur die Möglichkeit, den Schuldenschnitt per Gesetz durchzudrücken. Dazu könnte sie nachträglich Umschuldungsklauseln, sogenannte Collective Action Clauses (CAC), in die Bedingungen der Staatsanleihen einfügen - die privaten Gläubiger würden dann zum Forderungsverzicht gezwungen.

Weil die Notenbanken der Euro-Länder und die EZB von einer Umschuldung ausgenommen werden sollen, droht weiteres Ungemach, wie die Commerzbank   in einer Analyse schreibt: "Es könnte zu Klagen kommen, weil die nationalen Zentralbanken besser gestellt werden als die privaten Gläubiger."

Schuldenschnitt trifft griechische Banken besonders hart

Auch wenn die Commerzbank das Risiko für "nicht hoch" hält, könnten die nachträglich eingefügten Umschuldungsklauseln weitere Probleme nach sich ziehen: Die Ratingagenturen dürften den Zwangsverzicht als teilweisen Zahlungsausfall Griechenlands werten. Fonds, Versicherungen und Banken, die ihre Griechenland-Papiere gegen eine Pleite abgesichert haben, können sich in diesem Fall ihre Kreditausfallversicherungen (CDS) auszahlen lassen, was wiederum einige Kreditversicherer in Not bringen könnte.

Die griechische Regierung wird zudem noch mehr Geld vorhalten müssen, um die Banken im Land zu stützen. Der Schuldenschnitt wird die griechischen Institute nämlich besonders hart treffen - sie halten Staatsanleihen in Höhe von rund 67 Milliarden Euro. Ein Teil des Rettungspakets wird deshalb dafür benötigt, die griechischen Banken zu rekapitalisieren.

Mit Material von dpa und Reuters