Schwächen im Rentensystem OECD warnt vor Altersarmut in Deutschland
Rentner (Archivbild): Deutschland gehört zu den Schlusslichtern bei der Alterssicherung
Foto: MATTHIAS RIETSCHEL/ APBerlin - In Deutschland werden die Menschen immer älter, doch weder das Rentensystem noch die Unternehmen sind darauf hinreichend vorbereitet. Die deutsche Alterssicherung hält die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sogar für eine der schlechtesten der Welt.
"Deutschland gehört international zu den Schlusslichtern bei der Alterssicherung von Geringverdienern", sagte Monika Queisser, Leiterin der Abteilung Sozialpolitik der OECD, der "Welt". "Die strikte Beitrags-Leistungs-Bindung führt dazu, dass Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet und nur ein geringes Einkommen bezogen haben, im Alter armutsgefährdet sind."
Auch Menschen mit langen Erwerbsunterbrechungen wegen Arbeitslosigkeit oder Familienzeiten hätten hierzulande ein hohes Risiko, im Alter nur eine kleine Rente zu beziehen, sagte die OECD-Expertin. Andere Länder wie Dänemark oder die Niederlande verteilten sehr viel stärker innerhalb ihrer Alterssicherungssysteme um.
Unternehmen unterschätzen laut Studie demografischen Wandel
In Deutschlands Unternehmen sieht es wenig besser aus. Viele von ihnen unterschätzen laut er "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" den demografischen Wandel und haben sich bislang nicht ausreichend auf die Folgen einer alternden Gesellschaft eingestellt.
Wie die Zeitung in ihrer Dienstagsausgabe unter Berufung auf eine Studie des Beratungsunternehmens Towers Watson berichtete, ergriff bislang nur rund jedes fünfte deutsche Unternehmen entsprechende Maßnahmen, um sich auf die Änderungen der Arbeitnehmerstruktur einzustellen. "Ein Großteil des Problems wäre schon gelöst, wenn die Wirtschaft das Potential der Älteren besser nutzen würde", sagte Thomas Jasper von Towers Watson der Zeitung.
Der Untersuchung zufolge ist 97 Prozent der Unternehmen in Deutschland indes bewusst, dass sie auf den demografischen Wandel reagieren müssen, wenn sie auch in Zukunft erfolgreich sein wollen.
Befragt wurden 35 deutsche Unternehmen mit durchschnittlich rund 20.000 Mitarbeitern. In Deutschland arbeiten der Studie zufolge nur 58 Prozent der Menschen im Alter zwischen 55 und 64 Jahren. Das ist zwar mehr als im europäischen Durchschnitt, aber weniger als etwa in den USA (65 Prozent), in Japan (68 Prozent) und in Schweden (70 Prozent).