Steuersünder Hoeneß-Effekt sorgt für Tausende Selbstanzeigen
Bayern-Präsident Uli Hoeneß: Auf sein Beispiel folgten Tausende Selbstanzeigen
Foto: Martin Rose/ Getty ImagesHamburg - Die Steueraffäre des FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß sowie der Ankauf neuer Steuersünder-CDs sorgt für einen rasanten Anstieg der Selbstanzeigen. Im ersten Halbjahr gingen 6358 Selbstanzeigen bei den Finanzbehörden ein. Das zeigt eine Umfrage von manager magazin online bei den 16 Landesfinanzämtern. Damit ist bereits nach sechs Monaten das Niveau des Vorjahres beinahe erreicht.
Besonders drastisch stieg die Zahl der Selbstanzeigen in Nordrhein-Westfalen. Seit Jahresbeginn haben sich 1076 Steuersünder bei den Finanzämtern angezeigt. Das sind mehr als viermal so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. "Die Selbstanzeigen strömen momentan nur so herein", sagt Jürgen Wessing, Fachanwalt für Steuerstrafrecht bei der Düsseldorfer Kanzlei Wessing & Partner.
In zehn Bundesländern sind allein von Januar bis Juni mehr Anzeigen eingegangen als im gesamten Jahr 2012. An der Spitze liegt Baden-Württemberg mit insgesamt 1580 reuigen Steuerhinterziehern, gefolgt von NRW, Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen.
Die Zahl der Selbstanzeigen könnte sogar noch weiter steigen. Die Schweizer Banken erhöhen momentan den Druck auf steuerunehrliche deutsche Kunden und drohen damit, die Konten einzufrieren. Einige Institute haben die Frist auf das Jahresende gesetzt.
Die Hoeneß-Selbstanzeige hat in Deutschland eine politische Debatte über bisweilen mögliche Strafnachlässe für Steuersünder entfacht. Auch die EU schaltet sich ein. Am heutigen Dienstag will die EU-Kommission neue Maßnahmen gegen den grenzüberschreitenden Steuerbetrug vorstellen.
Bereits im Mai hatte Steuerkommissar Algirdas Semeta eine Amnestie für Steuerbetrüger strikt abgelehnt. Steuervergehen müssten überall in der EU hart bestraft werden.
Überblick: Wo die Selbstanzeigen steigen
| Bundesland | Zahl der | Selbstanzeigen | Stichtag | 2012 | gesamt |
|---|---|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 1580 | 15. Mai | 2630 | ||
| Bayern | 981 | 31. Mai | 1038 | ||
| Berlin | 285 | 05. Juni | 303 | ||
| Brandenburg | 31 | 02. Mai | 16 | ||
| Bremen | 58 | 10. Juni | 42 | ||
| Hamburg | 143 | 31. Mai | 187 | ||
| Hessen | 697 | 4. Juni | 492 | ||
| Mecklenburg-Vorpommern | 5 | 31. Mai | 10 | ||
| Niedersachsen | 480 | 10. April | 1206 | ||
| Nordrhein-Westfalen | 1076 | 06. Juni | 254 (nur 1. Halbjahr) | ||
| Rheinland-Pfalz | 776 | 10. Juni | 730 | ||
| Saarland | 66 | 31. Mai | 62 | ||
| Sachsen | 34 | 31. Mai | 25 (geschätzt) | ||
| Sachsen-Anhalt | 3 | 31. Mai | 3 | ||
| Schleswig-Holstein | 127 | 03. Juni | 116 | ||
| Thüringen | 16 | 31. Mai | 13 | ||
| Summe | 6358 | 7127 |