Solarkrise: Altmeier droht China mit Strafzöllen - DER SPIEGEL
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Solarkrise Altmaier droht China mit Strafzöllen

Im Streit der Hersteller von Solarmodulen verhärten sich die Fronten. Umweltminister Peter Altmaier erwägt ein Anti-Dumping-Verfahren gegen China - weil die Regierung den Wettbewerb mit billigen Krediten verzerren soll. Experten fürchten Vergeltungsmaßnahmen aus Peking.
Solarworld-Chef Asbeck: Vorstoß gegen China mit Altmeiers Hilfe
Solarworld-Chef Asbeck: Vorstoß gegen China mit Altmeiers Hilfe

Solarworld-Chef Asbeck: Vorstoß gegen China mit Altmeiers Hilfe

Foto: ASSOCIATED PRESS/ Hermann J. Knippertz
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Berlin - Der Umweltminister erwägt ein Anti-Dumping-Verfahren gegen China wegen der Unterstützung von Solarfirmen. Es müsse einen fairen Wettbewerb auf dem Weltmarkt bei der Produktion von Solarpanelen geben, sagte Peter Altmaier am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Um dies zu erreichen, werde auch ein Anti-Dumping-Verfahren gegen China geprüft. Der CDU-Politiker hatte jüngst bereits Strafzölle für chinesische Hersteller ins Spiel gebracht.

Die deutschen Hersteller, allen voran der Bonner Solarkonzern Solarworld, werfen der Regierung in China vor, mit unfairen Mitteln zu kämpfen. Sie soll die heimische Solarindustrie mit billigen Krediten versorgen und so den Wettbewerb verzerren. Solarworld-Chef Frank Asbeck erklärte wiederholt, Firmen aus China würden inzwischen ebenfalls Verluste machen, weil sie die deutschen Hersteller mit Dumpingpreisen unterböten. Gleichzeitig aber würden sie von der Regierung in Peking gestützt. Chinesische Hersteller weisen die Vorwürfe zurück.

Das US-Handelsministerium belegt Importe chinesischer Solarhersteller derzeit schon mit hohen Strafzöllen - im Extremfall von bis zu 250 Prozent. Auch dort ging die politische Initiative auf einen Vorstoß von Solarworld zurück. Die endgültige Entscheidung, ob es bei Strafzöllen bleibt, wird Anfang Oktober getroffen. Experten warnen vor Vergeltungsmaßnahmen der chinesischen Regierung. Siehe USA: Dort hat das chinesische Handelsministerium gerade angekündigt, Dumping-Methoden und Subventionen bei amerikanischen Solar-Produkten zu prüfen. Auch in anderen Wirtschaftssektoren sind Vergeltungsmaßnahmen denkbar.

Nach einem jahrelangen Boom ist Deutschlands Solarbranche stark angeschlagen. Reihenweise sind Firmen pleite gegangen, darunter auch Branchengrößen wie Solon und Solar Millenium, ja sogar einstige Pioniere wie die Firma Q-Cells, die einst der größte Solarzellenhersteller der Welt war. Auch Solarworld war 2011 in die roten Zahlen gerutscht. Die Pleitewelle verdeutlicht, wie Deutschlands Solarkonzerne von asiatischen Konkurrenten abgehängt werden. Trotz milliardenschwerer Förderung in den vergangenen Jahren. Und das ausgerechnet jetzt, da Solarstrom allmählich wettbewerbsfähig wird.

Hausgemachte Probleme

Inwieweit Dumping-Kredite der chinesischen Regierung eine Rolle spielen, wird zu prüfen sein. Klar ist aber auch: Die deutsche Solarkrise ist zu einem nicht unbeträchtlichen Teil hausgemacht.

Das hat erstens mit dem globalen Wettbewerb zu tun. Solarzellen sind ein technologisch relativ einfach herzustellendes und kopierbares Produkt. Zwar erfolgt die Produktion weitgehend maschinell, doch ist in einem Land wie China an einer Fabrik wohl fast alles günstiger - von den Mauersteinen bis zum Reinigungspersonal.

Zweitens haben die deutschen Hersteller im Boom lange vor allem auf Masse gesetzt - jenseits der Massenproduktion aber oft zu wenig getan, um die Kosten durch einen höheren Wirkungsgrad und modernere Herstellungsverfahren zu drücken.

Gleichzeitig befeuerte der deutsche Förder-Boom der vergangenen Jahre die industrielle Massenproduktion der Zellen. Das führte zu einem rapiden Preisverfall. 2011 sind die Preise für Module um 30 bis 40 Prozent gefallen - weit schneller, als die Deutschen die Produktionskosten drücken können. Die Chinesen dagegen profitierten. 2008 stammten erst 33 Prozent der Weltproduktion aus China, im vergangenen Jahr waren es 57 Prozent.

Angesichts der tiefen Krise in der Solarbranche greift Solarworld-Chef Asbeck zu ungewöhnlichen Rettungsmitteln. "Ich werde auf mein Gehalt, meinen Bonus und meinen Dividendenanteil solange verzichten, bis Solarworld wieder Gewinne schreibt", sagte der Manager dem "Handelsblatt". Im vergangenen Jahr hatte Asbeck rund eine halbe Million Euro verdient. Hinzu kamen für 2011 nach eigenen Angaben rund 2,5 Millionen Euro Dividende.

ssu/dpa-AFX/Reuters