Thomas Middelhoff: Gericht setzt Haftbefehl aus - DER SPIEGEL
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Ex-Arcandor-Chef Gericht setzt Haftbefehl gegen Middelhoff aus

Der frühere Top-Manager Thomas Middelhoff kommt nach gut fünf Monaten Untersuchungshaft möglicherweise auf freien Fuß. Das Landgericht Essen setzte den Haftbefehl gegen den 61-Jährigen außer Vollzug.
Thomas Middelhoff (im November in Essen): Unter Auflagen aus der U-Haft
Thomas Middelhoff (im November in Essen): Unter Auflagen aus der U-Haft

Thomas Middelhoff (im November in Essen): Unter Auflagen aus der U-Haft

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa
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Thomas Middelhoff kann darauf hoffen, aus der Untersuchungshaft entlassen zu werden. Zuvor aber müsse er Auflagen erfüllen, teilte das Essener Landgericht mit.

Da der Beschluss der Strafkammer zunächst Middelhoff bekannt gemacht werden müsse, könnten zunächst keine weiteren Einzelheiten mitgeteilt werden, hieß es weiter. Dies werde frühestens am Dienstag geschehen.

Middelhoff, der frühere Chef des inzwischen pleitegegangenen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor, war Mitte November wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt und noch im Gerichtssaal verhaftet worden. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft, mehrere Beschwerden gegen die Haft waren wegen Fluchtgefahr zunächst erfolglos geblieben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Mehrere Versuche von Middelhoffs Rechtsanwälten, den 61-Jährigen auf freien Fuß zu bekommen, sind bislang stets gescheitert. Die Richter am Landgericht Essen und am Oberlandesgericht Hamm sahen Fluchtgefahr. Der Manager hat hervorragende Auslandskontakte unter anderem nach Frankreich und in die USA. Selbst als enge Freunde und Familienmitglieder Middelhoffs eine Kaution von fast 900.000 Euro anboten, blieben die Richter hart.

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Bilder-Chronik: Der unaufhaltsame Abstieg des Thomas Middelhoff

Foto: © Reuters Photographer / Reuter/ REUTERS

Anfang April hatte Middelhoff einen neuen Versuch gestartet, aus der Untersuchungshaft freizukommen. Zur Begründung gaben seine Anwälte an, dass sich der Gesundheitszustand des 61-Jährigen gravierend verschlechtert habe. Die Ärzte gehen den Verteidigern zufolge von einer seltenen Autoimmunerkrankung aus, die sich nach Darstellung der Anwälte in der Haft verschlimmert habe. Deshalb hatte die Verteidigung vor knapp zwei Wochen erneut eine Haftprüfung beantragt.

Die Anwälte hatten zuvor scharfe Kritik an den Haftbedingungen ihres Mandaten geübt. Middelhoff habe in der Untersuchungshaft 28 Tage lang nicht schlafen dürfen, weshalb er schwer erkrankt sei. Der Manager ist derzeit zur Behandlung in einer Essener Klinik.

Unterstützung erhielten Middelhoffs Verteidiger aus den Reihen der Grünen. Die Vorsitzende des Rechtsausschusses im Bundestag, Renate Künast, zeigte sich angesichts der Vorwürfe entsetzt. Künast bezeichnete den Schlafentzug als Menschenrechtsverletzung. Auch Historiker äußerten scharfe Kritik. Der Direktor der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, verglich den Schlafentzug bei Middelhoff mit Stasi-Methoden.

bos/AFP/dpa/Reuters