US-Notenbankchef Anleger fiebern Bernankes Debüt entgegen
Fed-Chef Bernanke: Erste Pressekonferenz direkt nach einer Sitzung
Foto: KEVIN LAMARQUE/ REUTERSNew York - Eigentlich kann der Mann nur verlieren. Wenn Ben Bernanke am Mittwochabend vor die Journalisten tritt, wird der US-Notenbankchef jedes Wort sorgfältig wählen: Hält er das durch und verkündet nur die geplanten Botschaften, wird er damit kaum etwas bewegen. Verplappert er sich jedoch und lässt sich etwas Spektakuläres entlocken, droht im schlimmsten Fall Panik auf den Finanzmärkten.
Es ist eine Premiere für den Chef der Federal Reserve. Noch nie zuvor hat sich der Fed-Chef in einer Pressekonferenz geäußert, unmittelbar nach einer Sitzung des Leitungsgremiums der Notenbank. Der Druck auf Bernanke ist gewaltig.
Um einen möglichen Fauxpas zu vermeiden, hat er sich jedoch gewissenhaft vorbereitet: Er hat ein Medientraining absolviert, sich Videos von europäischen Kollegen angeschaut - und diese nach ihren Erfahrungen mit Journalisten ausgefragt. So geschehen bei einem Treffen vor zwei Monaten, als Bernanke den EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet und den britischen Notenbankchef Mervyn King zur Seite nahm.
Spektakuläre Entscheidungen erwarten Experten dieses Mal eigentlich nicht. Aller Voraussicht nach wird die Fed am Mittwochabend ihren expansiven Kurs bestätigen. Dennoch ist es schon wegen der ersten Pressekonferenz in der 98-jährigen Fed-Geschichte eine besondere Situation, Anleger weltweit blicken gespannt nach Washington. Um 18.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit wird die Fed ihre Zinsentscheidung bekanntgeben. Ab 20.15 Uhr wird dann Bernanke vor die Presse treten.
2,35 Billionen Dollar frisches Geld
Seine Geldpolitik der vergangenen Jahre ist eine der letzten Hoffnungen der USA im Kampf gegen die Krise. Aber sie steht auch massiv in der Kritik. Die Leitzinsen hat die Fed bereits auf 0 bis 0,25 Prozentpunkte gesenkt, trotzdem springt das Kreditgeschäft nicht an.
Deshalb versucht Bernanke, die Märkte mit der sogenannten quantitativen Lockerung zu beeinflussen. Das funktioniert so: Die Notenbank kauft amerikanische Staatsanleihen und verbriefte Hypothekendarlehen. So schleuste sie bereits 2,35 Billionen Dollar frisch gedrucktes Geld auf den Markt.
Doch die laxe Geldpolitik birgt Risiken: Mehr Geld bedeutet immer auch mehr Inflation - also steigende Preise für die Verbraucher. Und wenn der Dollar immer schneller an Wert einbüßt, könnte die Welt das Vertrauen in die Leitwährung verlieren. Wenn Länder wie China ihre gigantischen Währungsreserven auf den Markt werfen würden, droht fast zwangsläufig ein Dollar-Crash - und die nächste Weltwirtschaftskrise.
45 Minuten voller Risiko
Experten erwarten nun, dass Bernanke bekannt gibt, sein jüngstes 600-Milliarden-Programm im Juni auslaufen zu lassen. Außerdem wird er seine Prognose abgeben, wie sich die amerikanische Wirtschaft in den kommenden Monaten entwickelt.
Bernanke hat der Fed einen transparenteren Kurs verordnet, weil immer mehr US-Bürger das Vertrauen in die Notenbank verlieren. Mittlerweile sagen bereits 42 Prozent der Amerikaner, dass sie kein oder nur noch geringes Vertrauen in die Fed haben. Die Pressekonferenz gebe Bernanke nun die "angenehme Chance, die Politik der Fed mit seinen eigenen Worten zu verteidigen", sagt Alan Blinder, Wirtschaftswissenschaftler an der renommierten Universität Princeton. Der Notenbanker könne erstmals seine Ziele direkt vertreten - statt die Deutungen der Finanzmärkte hilflos zur Kenntnis zu nehmen.
Doch das Risiko bleibt: 45 Minuten wird Bernanke sich den bohrenden Fragen der Journalisten stellen. Genug Zeit also, um Dinge zu sagen, die er hinterher bereut.