Wirtschaftswachstum in Japan gesunken - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Wachstumskrise Japan droht die Rezession

Premier Yoshihiko Noda spricht von einer "ernsten Lage". Die schwache Nachfrage aus dem Ausland hat der japanischen Wirtschaft einen kräftigen Dämpfer verpasst. Die Wirtschaftsleistung sank im dritten Quartal um 0,9 Prozent - und eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht.
Japanische Flagge im Hafen von Tokio: Sorge um die Konjunktur
Japanische Flagge im Hafen von Tokio: Sorge um die Konjunktur

Japanische Flagge im Hafen von Tokio: Sorge um die Konjunktur

Foto: YURIKO NAKAO/ REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Tokio - Noch im Frühjahr standen die Zeichen in Japans Wirtschaft auf Erholung, doch nun hat die schwächelnde Weltwirtschaft das Exportland hart getroffen. Angesichts der nachlassenden Nachfrage aus dem Ausland und des schwachen Konsums im Inland sank die Wirtschaftsleistung zwischen Juli und September im Vergleich zum Vorquartal um 0,9 Prozent.

Die Investitionen der Unternehmen in Ausrüstungen und Anlagen gaben um 3,2 Prozent nach. Die Verbraucherausgaben, die etwa zur Hälfte zur Wirtschaftsleistung beitragen, sank um 0,5 Prozent. Regierungschef Yoshihiko Noda sprach von einer "ernsten" Lage. Auf das Jahr umgerechnet schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal um 3,5 Prozent. Das war der stärkste Rückgang, seit die Erdbebenkatastrophe das Land im ersten Quartal 2011 getroffen hatte.

Japan droht nun, zum Jahresende in die Rezession zu rutschen. Denn auch für das laufende Quartal von Oktober bis Dezember sagen Experten für die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt eine Fortsetzung des Negativtrends voraus. Folgen zwei rückläufige Quartale aufeinander, sprechen Experten von einer Rezession.

Es war der erste Rückgang des BIP seit drei Quartalen. Von April bis Juni wuchs die Wirtschaft noch um 0,7 Prozent. Im Frühjahr hatte auch der Wiederaufbau in den vom Tsunami betroffenen Gebieten für Wachstum gesorgt.

Japan ist enorm abhängig vom Export. Neben der weltweiten Abkühlung der Wirtschaft belasten der starke Yen und die Auswirkungen eines Gebietstreits mit China zusätzlich die Exportwirtschaft des Landes. Die japanische Regierung und die Führung in Peking streiten seit Monaten über eine unbewohnte Inselgruppe im Ostchinesischen Meer. Im September hatten in China Zehntausende Menschen gegen Japan protestiert und zum Teil zum Boykott japanischer Produkte aufgerufen. Die wirtschaftlichen Folgen des Streits schlugen sich in den Exportzahlen nieder: Die Ausfuhren brachen im September um mehr als zehn Prozent ein.

Starker Yen belastet Börsenkurse

Die wirtschaftlich schlechte Entwicklung dürfte den Druck auf die japanische Notenbank aufrechterhalten, die Geldpolitik weiter zu lockern. Für das Gesamtjahr hatte die Regierung in Tokio ein Wachstum von zwei Prozent vorhergesagt.

Die schlechten Wirtschaftsdaten und vor allem der starke Yen drückten an der Börse in Tokio die Kurse. Der Nikkei  -Index fiel am Montag erstmals seit vier Wochen zwischenzeitlich unter die Marke von 8700 Punkten. Zum Handelsende lag der Leitindex mit 0,9 Prozent im Minus.

mmq/dpa/dapd/Reuters