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Zu gut, um wahr zu sein US-Justiz prüft Ratings von Standard & Poor's

Die US-Rating-Agentur Standard & Poor's bekommt Probleme wegen zu optimistischer Bonitätsnoten bei US-Hypothekenpapieren: Nach der US-Börsenaufsicht SEC prüft jetzt auch das US-Justizministerium, ob die Agentur Vorschriften verletzt hat.
S&P-Gebäude in New York: US-Justizministerium untersucht Ratings
S&P-Gebäude in New York: US-Justizministerium untersucht Ratings

S&P-Gebäude in New York: US-Justizministerium untersucht Ratings

Foto: Andrew Gombert/ dpa
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New York - Rating-Agenturen stehen immer wieder in der Kritik: Entweder ihre Bewertungen gelten als zu negativ, wie im Fall der aktuellen Ratings europäischer Krisenländer. Oder sie gelten als zu positiv - wie während der US-Hypothekenkrise. Nach der US-Börsenaufsicht SEC prüft jetzt auch das US-Justizministerium, ob die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) Vorschriften im Zusammenhang mit der Bewertung sogenannter strukturierter Finanzprodukten verletzt hat.

Der Chef des S&P-Mutterkonzerns McGraw-Hill, Harold McGraw III, hat entsprechende zivilrechtliche Untersuchungen in einer Telefonkonferenz bestätigt. "Wir befinden uns in Gesprächen mit Vertretern sowohl des Justizministeriums als auch der SEC", sagte er. Bei der SEC-Untersuchung geht es um die Bewertung eines Hypothekenpapiers namens "Delphinus CDO 2007-1". S&P hatte das Papier als sehr gut bewertet, in der Finanzkrise aber brach der Wert ein.

Studie weist Rating-Agenturen Mitschuld an Euro-Krise zu

Einer Studie der Universität St. Gallen (HSG) zufolge haben die Rating-Agenturen dann in der Finanzkrise seit 2008 die europäische Schuldenkrise durch schärfere Länder-Ratings verstärkt: "Viele europäische Länder wurden seit 2008 mit anderen Maßstäben beurteilt als früher und auch anders, als andere Länder heute noch behandelt werden", sagte HSG-Professor Manfred Gärtner am Freitag. "Es ist schwer zu glauben, dass das ein Zufall ist".

Mit der Untersuchung wollten der Wirtschaftswissenschaftler und sein Co-Autor Björn Griesbach der verbreiteten, aber nach ihren Angaben bisher kaum überprüften These nachgehen, dass Rating-Agenturen mit ihren Krediturteilen einen Zustand schaffen, in dem sich Prophezeiungen selbst erfüllen. In der Untersuchung wurden Wirtschaftsdaten von 25 OECD-Ländern den Krediturteilen der amerikanischen Rating-Agentur Fitch gegenübergestellt.

Länderherabstufungen nicht zu rechtfertigen

Das Ausmaß der Herabstufungen von Ländern wie Spanien, Portugal oder Irland könne nicht mit einer entsprechenden Verschlechterung der Wirtschaftslage und der Staatfinanzen begründet werden, folgerten die Wissenschaftler. Irland hätte nach den alten Standards um 1,5 Klassen zurückgestuft werden müssen, sagte Gärtner. "Stattdessen wurde sie um sieben Stufen zurückgenommen. Ein so großer Schritt hätte jedes Land in große Schwierigkeiten gebracht."

In der Studie heißt es, dass die Agenturen als zentrale Auslöser und Antreiber in der europäischen Schuldenkrise betrachtet werden müssten. "Nicht nachvollziehbare Herabstufungen europäischer Länder sind eine zentrale Ursache und Triebfeder der europäischen Schuldenkrise", lautet eine der Schlussfolgerung.

Die Untersuchung musste sich allerdings auf die Daten der Rating-Agentur Fitch beschränken. Von den beiden anderen großen amerikanischen Agenturen Moody's und Standard & Poor's seien die entsprechenden Angaben nicht verfügbar gewesen, sagte Gärtner.

nck/Reuters/dpa