Indien: Regierung entwertet Geldscheine - Inder stürmen Banken - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Zwangsumtausch Regierung entwertet Geldscheine - Inder stürmen Banken

Nachdem die indische Regierung große Geldscheine völlig überraschend für ungültig erklärt hat, drängen Inder in die Banken. Vor den Filialen bilden sich lange Schlangen.
Indische Bankkunden (in Mumbai)
Indische Bankkunden (in Mumbai)

Indische Bankkunden (in Mumbai)

Foto: Rajanish Kakade/ AP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Überraschung war groß, als der indische Premierminister Narendra Modi verkündete, dass die meisten Geldscheine im Land wertlos würden. Zwar haben Bargeldbesitzer noch bis Ende Dezember Zeit, ihr Geld zu tauschen, aber direkt nach der Ankündigung begann der Run auf die Banken.

Am ersten Bankarbeitstag nach der Änderung drängten sich Hunderte Kunden vor fast jeder Filiale in den großen Städten. Bereits um die Mittagszeit hatten die meisten Geldinstitute kein Bargeld mehr vorrätig.

In der Nacht zum Mittwoch hatte die indische Regierung völlig überraschend alle Geldscheine im Wert von mehr als 100 Rupien (umgerechnet rund 1,36 Euro) für ungültig erklärt. "Um uns aus dem Griff von Korruption und Schwarzgeld zu befreien, haben wir entschieden, dass die aktuellen 500- und 1000-Rupien-Noten nicht mehr gültig sind", sagte Modi.

Seit Donnerstag durften die Banken neue Scheine mit zusätzlichen Sicherheitsmerkmalen im Wert von 500 und 2000 Rupien das Stück ausgeben, jedoch nur in sehr begrenztem Umfang. Geldautomaten sollen erst von diesem Freitag an wieder funktionieren und zunächst maximal 2000 Rupien (umgerechnet rund 27 Euro) pro Tag und Person ausliefern.

Die alten Scheine dürfen nur bis 30. Dezember und in sehr begrenztem Umfang gegen neues Geld eingetauscht werden. Bargeld soll jedoch auch danach knapp bleiben: Gerade einmal 4000 Rupien (umgerechnet rund 54 Euro) dürfen direkt getauscht werden, der Rest muss auf ein indisches Konto eingezahlt werden. Anschließend bleiben Abhebungen an Geldautomaten auf 4000 Rupien pro Tag limitiert, wer direkt in die Filiale geht, darf pro Woche zunächst nicht mehr als 20.000 Rupien abheben.

"Eine ganze Währung so auszutauschen, wird die Wirtschaft kurzfristig bremsen", schrieb Fondsmanager Sandip Sabharwal auf Twitter. "Aber dafür werden die Bankeinlagen sprunghaft steigen und die Zinsen spürbar sinken." Die indische Regierung erhofft sich durch den Zwang zum papierlosen Geld vor allem ein Ende der Schattenwirtschaft, die verschiedenen Schätzungen zufolge ein Fünftel bis ein Viertel der indischen Wirtschaftskraft ausmacht.

Besonders schmerzhaft dürfte die Umstellung für diejenigen werden, die kein Bankkonto haben. Laut Weltbank waren das im Jahr 2014 fast die Hälfte aller Inder. "Indien bleibt eine auf Bargeld basierende Wirtschaft", beginnt selbst die indische Notenbank ihre Erklärung zu der Umtauschaktion.

Zu denen, die kein indisches Konto haben, gehören auch Touristen. Ihnen erlaubt die RBI noch bis einschließlich Freitag, bis zu 5000 Rupien in ihre eigene Währung zurück zu tauschen, jedoch ausschließlich an Wechselstuben an Flughäfen.

nck/AFP/dpa