Sozialplan: Karstadt darf ab Oktober kündigen - DER SPIEGEL
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Sozialplan Karstadt darf ab Oktober kündigen

Nach wochenlangen Verhandlungen steht der Sozialplan für den Krisenkonzern Karstadt. 4200 Jobs sollen durch Altersteilzeit, Abfindungen oder andere Methoden "sozialverträglich" abgebaut werden. Reicht das nicht für die Sanierung, darf das Management ab Herbst 2005 Kündigungen aussprechen.
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Essen - Der Gesamtbetriebsratsvorsitzender, Wolfgang Pokriefke, hatte nur ein lauwarmes Lob für die eigenen Verhandlungsergebnisse übrig: "Im Rahmen dessen, was wir abarbeiten mussten ist das Ergebnis für uns zufriedenstellend." Um den Personalabbau sozialverträglich zu gestalten, hat das Unternehmen nach Angaben eines Konzernsprechers unter anderem die Konditionen für die Altersteilzeit aufgebessert.

Mitarbeitern, die freiwillig aus dem Unternehmen ausscheiden, bietet Karstadt Abfindungen an. Nach Informationen der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" soll etwa eine vollzeitbeschäftigte Verkäuferin im Alter von 50 Jahren, die seit 20 Jahren bei Karstadt beschäftigt ist, eine Abfindung von knapp 28.000 Euro erhalten. Außerdem soll bereits in Kürze eine Beschäftigungsgesellschaft mit einjähriger Laufzeit eingerichtet werden. Der Wechsel in die Transfergesellschaft soll auf freiwilliger Basis erfolgen.

"Sollten diese freiwilligen Angebote nicht zu dem erforderlichen Personalabbau führen, sind ab 30.09.2005 auch betriebsbedingte Kündigungen möglich", betonte der Konzern in einer Mitteilung. Mitte 2006 soll außerdem ein erstes Resümee über die erreichten Ergebnisse gezogen werden. Dann werde gegebenenfalls auch "über weitere erforderliche Personalmaßnahmen beraten". Die Einigung über den Sozialplan sei "ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur Sanierung des Unternehmens".

Call-Center an Briten verkauft

Außerdem wurden von Unternehmensführung und Gesamtbetriebsrat die Modalitäten für die Ausgliederung von 77 kleinen Filialen in die neue Gesellschaft "Karstadt Kompakt" geregelt. Diese Geschäfte sollen in den nächsten drei Jahren verkauft werden. Schon jetzt hat Karstadt seine Call-Center in Mainz und Köln abgestoßen. Käufer sei das Unternehmen Shannon International aus London, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Zum Kaufpreis wollte er sich nicht äußern. Das Center in Mainz sei mit Wirkung zum 1. Januar 2005 verkauft, das Center in Köln zum 1. Dezember 2004. Insgesamt seien 430 Mitarbeiter betroffen.

Die Post bemüht sich derweil nach Angaben ihres Vorstandsmitglieds Peter Kruse darum, weitere Teile der Karstadt-Logistikaktivitäten zu übernehmen. Man sei bei den Verhandlungen vorangekommen. "Wir betrachten das mit einer optimistischen Grundhaltung", sagte Kruse. Aber auch ein Scheitern sei noch möglich. Ein Abschluss im ersten Quartal 2005 sei für die Post aber eine Perspektive. "Es handelt sich um eine komplexe Transaktion, die man nicht in zwei Wochen umsetzen kann."

Kruse bestätigte erstmals, dass die Post auch Interesse an den Bereichen Großgut und Stückgut zeige. "Wir sind bei beiden Paketen im Gespräch." Bislang hatte die Post offiziell nur Interesse am Kauf der so genannten Distributionslogistik gezeigt.