Sozialsysteme: Snower fordert den Radikalumbau - DER SPIEGEL
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Sozialsysteme Snower fordert den Radikalumbau

Mit den bisher verabschiedeten Reformen lassen sich die Sozialsysteme in Deutschland nicht nachhaltig sanieren, davon ist der neue Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower fest überzeugt. Ein radikal neuer Ansatz sei nötig. Snower liefert eine erste Skizze.
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Kiel - In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa regt der neue Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) an, die Kosten für Ausbildung, Arbeitslosigkeit, Krankenversicherung und Rente über so genannte Sozialkonten zu decken. Statt Steuern zu zahlen, würde jeder monatlich einen nach Alter und Einkommen gestaffelten Betrag auf seine eigenen Konten überweisen. "Jeder weiß dann: Das Geld, das ich einzahle, steht mir zu", sagte Snower.

"Die Konten der wohlhabenden Leute können natürlich besteuert, die der weniger Wohlhabenden subventioniert werden", sagte Snower. "Ich glaube nicht, dass wir das Ziel der Gleichheit aufgeben sollten, um mehr Effizienz zu schaffen." Allerdings beobachte er bei jedem Versuch einer Umverteilung in Deutschland in der öffentlichen Debatte eine totale Ratlosigkeit. Snower forderte: "Man sollte versuchen, Anreize zur Arbeit statt einfach Geld umzuverteilen." Der Wirtschaftswissenschaftler bekräftigte seinen Vorschlag, Beschäftigungsgutscheine für Arbeitslose zu vergeben, über die Arbeitgeber einen Teil der Lohnkosten vom Staat erstattet bekommen. Damit könnten Erwerbslose schneller wieder in Arbeit vermittelt werden.

Snower betonte: "Der Staat macht seine Sache auch deshalb nicht gut, weil in einem großen Bereich unserer Wirtschaft noch immer nach kommunistischen Prinzipien gehandelt wird." So schreibe der Staat etwa im Sozialbereich vor, welche Leistungen es für Bildung, Ausbildung oder Rente gibt. Vielfach würden die dafür erhobenen Steuern aber zum Stopfen von Haushaltslöchern benutzt. Ziel müsse hingegen sein, "Leistungen und Kosten in das richtige Verhältnis zu bringen", mahnte der IfW-Präsident.