Sparen in Übersee - DER SPIEGEL
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US-Manager Sparen in Übersee

Amerikas Konzerne verfielen auf eine neue Sparmethode: Sie streichen ihren Managern im Ausland die Sonderzulagen.
• aus DER SPIEGEL 5/1973
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»Die schlimmsten Höllenlöcher der Welt«, so erkannte R. E. Cogan. Personalchef bei der Computer-Großmacht IBM, »sind gar nicht mehr so höllisch.«

Cogans Schlußfolgerung: Selbst amerikanische IBM-Manager, die ungern im pakistanischen Karatschi arbeiten, brauchten keinen finanziellen Ausgleich mehr. Künftig soll vielen Auslandsleuten die bisherige Härteprämie – in manchen Fällen bis zu 50 Prozent des regulären Monatsgehalts – »auf ein realistisches Maß« zusammengestrichen werden.

Wie IBM kappen immer mehr Firmen die Vergünstigungen, die sie ihren Beschäftigten im Ausland bisher gewährten. So will der Elektronik-Konzern Hewlett-Packard Co. – der bislang Auslands-Angestellten außer einer monatlichen 400-Dollar-Zulage auch Wohngelder und jährliche Erziehungsbeihilfen bis zu 1.250 Dollar pro Kind zahlte – nun sämtliche Sonderzahlungen einstellen.

Auch der Elektro-Gigant General Electric, die Mineralölgesellschaft Standard Oil of California und der Chemie-Konzern E. I. du Pont de Nemours wollen auf Auslandszulagen verzichten.

Bislang waren Amerikas Firmenbosse der Meinung, ihren Angestellten in fremden Ländern stände ein Ausgleich allein schon für physische und psychologische Mehrbelastungen des Auslandsdienstes zu. Das New Yorker Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board fand heraus, daß von 267 der größten US-Firmen 84 Prozent allgemeine Auslandszulagen, 81 Prozent einen Zuschuß zu den Lebenshaltungskosten gewähren. 72 Prozent der Firmen zahlen Wohngelder.

»Die meisten Amerikaner im Ausland«, so schätzt Conference-Board-Manager Burton W. Teague« »kommen mit sämtlichen Zulagen etwa auf das Doppelte ihres Grundgehalts.« Calvin Reynolds, Direktor der Handelsorganisation National Foreign Trade Council« meint gar: »Ein 20.000-Dollar-Mann kostet die Firma in Übersee während der ersten Jahre zusätzlich im Durchschnitt 100.000 Dollar.«

Solche Aufwendungen erscheinen den Firmen allzu hoch. »Mehrere Millionen Dollar«, so ein Manager von Standard Oil of California, »können wir durch Streichen der Zuschüsse sparen.«

Die Kosten wollen Amerikas Arbeitgeber auch reduzieren, indem sie statt teurer Amerikaner billige Ausländer beschäftigen, die obendrein die Besonderheiten des jeweiligen Marktes besser kennen. »Amerikanische Top-Leute«, so die New Yorker Management-Beraterin Miriam Briggs, »sind nicht unbedingt auch die besten.«

Angesichts der Bedrohung durch ausländische Konkurrenten wagen denn auch nur wenige US-Angestellte gegen die Streichung ihrer Zulagen aufzumucken. »Kaum einer«, freute sich Du-Pont-Personalchef Thomas Jary, »hat gemeckert.«

Ein Chicagoer Maschinenfabrikant meinte: »Die meisten pfeifen auf die Zulagen, denn sie wissen, worauf es ankommt: Ein Mann mit Auslandserfahrung hat auch in den USA mehr Chancen.« Tatsächlich führen die meisten Firmen nach wie vor lange Listen von Bewerbern um Auslands-Jobs.

Flachste Wirtschaftsforscher Teague: »Kein Wunder, daß die Jungs raus wollen. Denn selbst in den Urwäldern Zentralafrikas ist man heute sicherer als im Central Park in New York.«

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