Sparerfolg VW schreibt wieder schwarze Zahlen
Wolfsburg - Der Konzerngewinn von Volkswagen kletterte im vergangenen Jahr bei leicht gestiegenem Umsatz um knapp 61 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro, wie das Unternehmen heute in Wolfsburg bekannt gab. Die VW-Gruppe, zu der neben der gleichnamigen Hauptmarke auch Skoda, Bentley und Bugatti gehören, schrieb demnach erstmals wieder schwarze Zahlen. Das operative Ergebnis der Sparte lag bei 638 Millionen Euro. 2004 hatte VW noch einen operativen Verlust von 25 Millionen Euro eingefahren.
Die Markengruppe Audi steigerte ihr operatives Ergebnis von 1,2 Milliarden Euro auf 1,4 Milliarden Euro. Der zu Audi gehörende spanische Hersteller Seat blieb den Angaben zufolge in der Verlustzone. Bei den Nutzfahrzeugen kehrte Volkswagen ebenfalls mit einem operativen Gewinn von 102 Millionen Euro in die Gewinnzone zurück nach einem Verlust von 144 Millionen Euro im Jahr zuvor. In der Sparte Finanzdienstleistungen stieg der operative Gewinn leicht von 927 Millionen Euro auf 933 Millionen Euro.
Volkswagen will Umsatz und Ergebnis im laufenden Jahr weiter steigern. Bei leicht wachsenden Auslieferungen und Erlösen solle sich der operative Gewinn vor Sondereinflüssen 2006 zum Vorjahr verbessern. "Der Blick in die nahe Zukunft lässt kein dynamisches Wachstum oder wesentliche Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen prognostizieren", schränkte Konzernchef Bernd Pischetsrieder ein. Der Weltmarkt werde um 1,2 Prozent auf 53,6 Millionen Fahrzeuge wachsen.
Die Börse reagierte zurückhaltend auf das Zahlenwerk. Die Aussagen sind einer ersten Händlereinschätzung zufolge "leicht positiv aber nicht spektakulär". Jedenfalls seien keine größeren Kurssprünge in unmittelbarer Reaktion auf die Daten zu erwarten, so ein Händler. Zunächst sei alles bestätigt worden.
Ergebnis ist "weiter unbefriedigend"
Insgesamt sei das Ergebnis "weiter unbefriedigend", sagte Pischetsrieder und bekräftigte die Notwendigkeit, die Kernmarke VW auf Kurs zu bringen. "Weitere Restrukturierungsschritte sind unausweichlich." Pischetsrieder hatte bereits im Februar harte Einschnitte angekündigt, die in den kommenden drei Jahren bis zu 20.000 Mitarbeiter betreffen.
Wie es weiter hieß, brachte das Sparprogramm ForMotion bislang 3,5 Milliarden Euro ein. Der Konzernchef teilte keine Einzelheiten zum neuen VW-Sparprogramm mit dem Namen ForMotion plus mit. Damit will das Management bis 2008 die Kosten konzernweit um zehn Milliarden Euro senken und den Gewinn vor Steuern auf 5,1 Milliarden Euro steigern.
Pischetsrieder machte allerdings erste Angaben zur Restrukturierung. Demnach wird die Produktion von Motoren und Getrieben als Kernkompetenz angesehen. Das könnte bedeuten, dass die Werke Salzgitter (Motoren) und Kassel (Getriebe) nicht zur Disposition stehen. Über das Komponentenwerk Braunschweig sagte der Vorstandsvorsitzende nichts.
Überschattet wird die Vorlage der Zahlen von einer Debatte um die Zukunft Pischetsrieders. In einem Interview hatte Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech jüngst erklärt, dass die Arbeitnehmerseite in dem Kontrollgremium eine Vertragsverlängerung blockieren könnte. Als Grund wird das laufende Sparprogramm genannt.
Seither spekuliert die Branche über den Abgang Pischetsrieders. Als sein Nachfolger wird Audi-Chef Martin Winterkorn genannt. Am Wochenende bekräftigte Pischetsrieder gegenüber dem SPIEGEL allerdings, dass er sein Amt fortführen wolle.
suc/AP/reuters/AFP/dpa