Sparprogramm EADS-Spitze stritt über Hamburger Werk
Hamburg/Toulouse - Im engsten Führungskreis hatte EADS -Co-Chef Louis Gallois am Sonntag Details des Sanierungsplanes "Power8" vorgetragen. Während des Treffens habe Gallois sehr schnell den Ärger des deutschen Co-Chefs des Verwaltungsrats, Manfred Bischoff, auf sich gezogen, wie Insider gegenüber manager-magazin.de berichten. Das Treffen wurde schließlich ergebnislos vertagt.
Differenzen soll es dabei nicht nur über die Produktionsverteilung für das Zwölf-Milliarden-Euro-Projekt A350 gegeben haben, wie es Gallois hinterher verbreiten ließ. Bischoff, der als Vertreter von Großaktionär DaimlerChrysler im Verwaltungsrat sitzt, stieß ein anderer Punkt sauer auf: Gallois' Plan sah vor, die Produktion des Erfolgsmodells A320 solle unangetastet am französischen Standort Toulouse bleiben. Der Deutsche sei "entsetzt" gewesen, erzählen Insider.
Wenn schon Hamburg beim Großraumjet A380 nur Arbeiten wie Lackierung und einen Teil der Innenausstattung ausführe und die wichtigsten Teile des A350-Projektes in Frankreich konzentriert werden sollten - dann, so hatte Bischoff es erwartet, müsse Hamburg im Gegenzug den A320 erhalten. Bischoff pochte energisch darauf, der deutsche EADS-Co-Chef Thomas Enders sprang ihm zur Seite. Gallois zeigte sich ebenfalls unerbittlich. Eine Einigung zeichnet sich noch nicht ab.
Der A320 ist das Bestseller-Modell der kleinsten Airbus-Modellfamilie. Drei verwandte Modelle, der A318, der A319 und der A321, werden bereits in Hamburg endmontiert. Analysten hatten wiederholt darauf hingewiesen, eine Bündelung der Produktion am Standort Hamburg sei sinnvoll. Die deutschen Manager bei EADS hatten denn auch erwartet, dass die Produktion des A320 zu seinen Geschwistermodellen nach Norddeutschland verlegt werde. So war es - nach dem Verständnis der deutschen Seite - auch vorab besprochen worden.
Bei EADS hieß es allerdings, Bischoff habe sich mit Gallois nicht über die Zukunft des Hamburger Werkes gestritten: "Es hat am Sonntag im Board keinerlei strittige Diskussion über die A320 gegeben. Jede anders lautende Darstellung kann ich nur dementieren", so Enders gegenüber manager-magazin.de.
Eine Verlegung der A320-Endmontage könnte die Zukunftsfähigkeit des Standortes Hamburg stärken. Allgemein wird erwartet, dass eine Überarbeitung oder sogar eine völlige Neuentwicklung der kleinen Flugzeugsfamilie das nächste wichtige Projekt für Airbus sein wird. Dafür wären Milliardeninvestitionen nötig. Wo der A320 künftig endmontiert wird, ist insofern eine wichtige Vorentscheidung. Wird die Montage nach Hamburg verlegt, könnte der deutsche Standort bei der künftigen Entwicklung der kleinen Airbusse führend mitreden.