Sparprogramm: Kassen wollen nur noch Billig-Insuline erstatten - DER SPIEGEL
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Sparprogramm Kassen wollen nur noch Billig-Insuline erstatten

Sparprogramm für Zucker- und Herzkranke: Statt teurer Blutverdünner und künstlicher Insuline bezahlen die Krankenkassen künftig im Regelfall nur noch billigere Alternativen. Die Begründung: Die Mittel seien nicht schlechter. Die Pharmaindustrie behauptet das Gegenteil.
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Berlin - Aspirin statt des teuren Blutverdünners Clopidogrel: Damit müssen sich herz- oder zuckerkranke Kassenpatienten in Zukunft zufrieden geben. Das erklärte heute der Gemeinsame Bundesausschuss der Krankenkassen in Berlin. Auch teure Insulinanaloga werden nicht mehr übernommen, stattdessen wird Zuckerkranken im Regelfall nur Humaninsulin bezahlt. Bislang galt das nur für Patienten mit Altersdiabetes.

Nach Darstellung des Bundesausschusses sind die neuen Insuline etwa 50 Prozent teurer, aber für Patienten nicht besser. Ähnlich sei es bei Clopidogrel. Im Vergleich zu Aspirin, das ebenfalls als Blutverdünner bei Gefäßkrankheiten verordnet wird, sei das Mittel etwa 75 Mal so teuer, bringe aber meist keinen Zusatznutzen.

Bei beiden Beschlüssen gelten Ausnahmen. Die schon auf Analoginsuline eingestellten Patienten müssen nicht auf Humaninsulin umgestellt werden, wenn sie dieses früher schon einmal bekommen haben. Dies soll vor allem den 25.000 Kindern und Jugendlichen mit der angeborenen Diabetes I zu Gute kommen. Es sei ihnen nicht zuzumuten, noch einmal auf neue Arzneien eingestellt zu werden, sagte der Ausschussvorsitzende Rainer Hess. Wer künftig neu als zuckerkrank diagnostiziert wird, muss allerdings zunächst Humaninsulin bekommen. Nur wenn er damit nicht sinnvoll eingestellt werden kann, bezahlen die Krankenkassen Analoginsuline.

Studien zurückgehalten?

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie und der Verband Forschender Arzneimittelhersteller kritisierten die Entscheidung. Vor allem Kinder würden darunter leiden. Der Ausschuss habe sich über Bedenken hinweggesetzt. Einige Patienten und Ärzte glauben, dass die neuen Insuline doch besser sind als die alten. Dieser Zusatznutzen sei aber nicht in Studien nachgewiesen, betonte Hess. Er vertrat die Auffassung, eine optimale Versorgung auch der Kinder sei weiter gesichert.

Hess beklagte, dass vor der Entscheidung einer der Hersteller mindestens drei Studien zur Wirkung von Analoginsulinen zurückgehalten habe. Was daraus bekannt sei, lasse die Möglichkeit offen, dass die Mittel womöglich sogar schlechter sein könnten als Humaninsuline, sagte Hess mit Hinweis auf etwaige Nebenwirkungen. Er appellierte dringend an die Firma, die Studien vorzulegen. Ein Sprecher der Firma Novo Nordisk wies die Vorwürfe zurück. Man habe alle Studien angeboten. Er betonte, er habe keine Hinweise auf öffentlich nicht bekannte Nebenwirkungen.

Die Entscheidung, dass Clopidogrel als "Monotherapie" für bestimmte Gefäßerkrankungen nicht mehr von den gesetzlichen Kassen übernommen werden soll, hatte der Bundesausschuss vor einem Jahr schon einmal getroffen. Damals hatte das Gesundheitsministerium aus formalen Gründen Einspruch erhoben. Nun entschied der Ausschuss erneut: Bis auf wenige Ausnahmen sollen die Patienten statt des teuren Blutverdünners nun Acetylsalicylsäure bekommen, allerdings nur, wenn sie es vertragen. Beide Beschlüsse werden dem Gesundheitsministerium vorgelegt, das noch Einspruch erheben könnte.

ase/AP