Sparprogramm Post-Chef fordert große Zugeständnisse
Die Talsohle des Konjunkturabschwungs ist laut Post-Chef Frank Appel zwar erreicht. Doch rechnet er nicht mehr wie bisher mit einer raschen Erholung. Für das Gesamtjahr peilt Appel einen Betriebsgewinn vor Sonderposten von 1,2 Milliarden Euro an. Um das zu erreichen, setzt er auf eine drastische Kostenkur und höhere Gewinne im zweiten Halbjahr. Dank des Verkaufs der Postbank an die Deutsche Bank stellt Appel für 2009 unterm Strich schwarze Zahlen in Aussicht. An der Börse startete die Aktie mit 0,65 Prozent im Plus bei 10,030 Euro.
"Ist der Patient krank, wird weniger Blut durch den Kreislauf gepumpt", sagte Appel mit Blick auf die Entwicklung des Welthandels, von der der global tätige Logistik- und Briefkonzern abhängig ist. Die Post habe aber "frühzeitig mit der Therapie begonnen" und merke jetzt, dass diese "anschlägt".
Im zweiten Quartal schrumpfte der Umsatz von 13,44 auf 11,1 Milliarden Euro, verglichen mit Analystenschätzungen von 11,55 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern (Ebit) und Sonderposten sackte von 413 auf 257 Millionen Euro. Unterm Strich erzielte die Post einen Überschuss von 66 Millionen Euro nach 231 Millionen Euro vor einem Jahr.
In der Briefsparte, die weiterhin den Löwenanteil von Umsatz und Gewinn liefert, sank das Ebit vor Sonderposten von 275 auf 171 Millionen Euro. Die Gründe dafür liegen in der Konkurrenz durch andere Anbieter, dem schwindenden Volumen durch den Konjunkturabschwung und dem Wechsel von Briefen auf elektronische Post. Auf der anderen Seite schlagen hohe Fixkosten sowie steigende Lohnkosten zu Buche, so dass die Post nicht damit rechnet, die früheren Gewinne der Briefsparte wieder zu erreichen.
Die Post will daher in der Sparte kräftig sparen. Appel fordert große Zugeständnisse der Arbeitnehmer, um den Bereich auf Kurs zu bringen. Es führe "kein Weg" an längeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich vorbei. Auch die für Dezember geplante Lohnerhöhung müsse verschoben werden, bekräftigte er. Im ersten Halbjahr sanken die Kosten um 180 Millionen Euro, im zweiten sollen weitere 120 Millionen Euro dazukommen. Bisher sparte die Post im Marketing und durch die Auslagerung der IT. Darüber hinaus will der Konzern Sortierzentren an bestimmten Arbeitstagen schließen. Dabei hat die Post den Montag im Auge. Zudem will die Post auf das Nachtflugnetz verzichten und weitere IT-Aufgaben auslagern.
Die Express-Sparte wurde ebenfalls vom Konjunkturabschwung getroffen. Der Rückzug aus dem hochdefizitären US-Geschäft schreitet voran. Die Kosten dafür drückten das operative Spartenergebnis zwar ins Minus - vor Sonderposten blieb es aber mit 65 Millionen Euro stabil. Im Logistikgeschäft, das unter Global Forwarding und Fracht firmiert, sackte der operative Gewinn von 103 auf 79 Millionen Euro ab. Besonders das Frachtvolumen aus der verarbeitenden Industrie ging zurück.
Die Kontraktlogistik lieferte mit 16 Millionen Euro nur ein Viertel des operativen Gewinns des Vorjahres. Die Insolvenz von Arcandor schlug bei der Post in Form von Forderungsausfällen und Abschreibungen mit 25 Millionen Euro zu Buche.