Sparprogramm Protest gegen den "Arbeitszeitrambo" von Siemens
München - Den Auftakt der Proteste bildete eine Pressekonferenz in München. Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer bezeichnete Siemens-Chef Heinrich von Pierer als "Arbeitszeitrambo". Siemens sei "kein krisengebeutelter Mittelständler". Der Konzern habe eine besondere soziale Verpflichtung für die Sicherung der Arbeitsplätze in Deutschland und für internationale Arbeitsstandards auf hohem Niveau. Die IG Metall sei nicht bereit, 25 bis 30 Prozent weniger Lohn und gleichzeitig eine um fünf Stunden längere Wochenarbeitszeit von 40 Stunden zu akzeptieren. Man werde bundesweit die Beschäftigten zum Widerstand mobilisieren.
Siebens selbst bestätigt, dass rund 5000 Arbeitsplätze im Inland gefährdet sind. Sie sollen zum Teil ins Ausland verlagert werden. Das Unternehmen machte Marktanpassungen und veränderte Technologieanforderungen dafür verantwortlich und forderte die Belegschaft zu Entgegenkommen auf.
Die IG Metall warf Siemens hingegen soziale Verantwortungslosigkeit vor. Man werde sich "keinesfalls auf die Erpressung seitens des Siemens-Vorstandes einlassen". Durch Lohnverzicht und Arbeitszeitverlängerung wären rechnerisch bis zu 20.000 Jobs in Gefahr, so Neugebauer.
Von Pierer sagte am Donnerstagabend, dass Siemens bei den Sparplänen nicht über die Vorgaben des Flächentarifvertrags der Metall- und Elektroindustrie hinausgehen werde. Der kürzlich vereinbarte Tarifvertrag sehe Öffnungsklauseln vor, die Siemens nutzen wolle, so von Pierer "Wir bleiben im Rahmen dessen, was in Stuttgart vereinbart worden ist", versicherte der Vorstand. Von Pierer hatte jüngst den im Februar zunächst für Baden-Württemberg ausgehandelten Tarifvertrag kritisiert und den Austritt von Siemens aus dem Arbeitgeberverband angedroht.
2500 Jobs auch durch Kostensenkungen nicht zu retten
Kaum noch Hoffnungen gibt es nach Angaben von Siemens für die Netzwerksparte ICN, die Verkehrstechnik (TS) und die Sparte Energieübertragung (PTD). Selbst Kostensenkungen könnten den Abbau von 2500 Stellen nicht verhindern. Allerdings seien die rund 2000 gefährdeten Jobs an den Standorten Kamp-Lintfort und Bocholt der Mobilfunksparte ICM durch flexiblere Arbeitszeiten und weitere Kostensenkungen "absolut zu retten", sagte ein Unternehmenssprecher.
Auch die Zusammenlegung der sieben deutschen Standorte bei den Flachbaugruppen im Bereich Automatisierung (A&D) zu künftig drei Standorten könne möglicherweise beschäftigungsneutral vollzogen werden.
In Bocholt haben 800 Siemens-Mitarbeiter gegen drohende Arbeitsplatzverlagerungen ins Ausland und die Sparpläne des Konzerns protestiert. "Beschlossen ist dieser Abbau noch nicht, aber es gibt Verlagerungsabsichten. Das ist sehr Ernst zu nehmen", sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Bocholt, Heinz Cholewa. "Wir werden diesen Fehdehandschuh, der uns hingeworfen wurde, aufnehmen."
Die Vorschläge für den Kostenabbau in 7 der 14 Sparten wurden Belegschaftsvertretern am Mittwoch bei einer internen Sitzung vorgestellt. Siemens beschäftigt derzeit 414.000 Menschen, davon 167.000 in Deutschland.