Sparprogramm: Vattenfall will 100 Millionen sparen – Arbeitsplätze bedroht - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Sparprogramm Vattenfall will 100 Millionen sparen – Arbeitsplätze bedroht

Nach dem Kundenschwund in den vergangenen Monaten will der Energiekonzern Vattenfall Europe mit umfangreichen Sparmaßnahmen gegensteuern. Bis 2010 sollen einem Zeitungsbericht zufolge 100 Millionen Euro eingespart werden. Dazu zählt auch ein Abbau von Arbeitsplätzen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Der drittgrößte deutsche Energieversorger steht massiv unter Druck. 250.000 verlorene Kunden in den vergangenen sechs Monaten erzwingen einen drastischen Kurswechsel. Weil die jedenfalls kurzfristig nicht wiederzugewinnen sind, sollen jetzt die Ausgaben im Zeitraum 2008 bis 2010 um insgesamt rund 100 Millionen Euro gedrückt werden. Das berichtet die "Berliner Zeitung" unter Berufung auf Konzernkreise. Der offizielle Grund laute, dass der schwedische Mutterkonzern Vattenfall AB nicht mit der Rendite seiner deutschen Tochter zufrieden sei.

In erster Linie soll die Summe aber über technische Rationalisierungen eingespart werden. Genauere Details stünden noch nicht fest, hieß es. Das Sparpaket sehe allerdings auch einen Stellenabbau vor. Betriebsbedingte Kündigungen sollten aber vermieden werden, lediglich Maßnahmen wie Frühverrentungen seien möglich. Derzeit hat Vattenfall Europe rund 20.000 Mitarbeiter.

In der Stockholmer Konzernzentrale hieß es auf Anfrage, einzelne Maßnahmen würden nicht kommentiert. "Wir arbeiten ständig daran, im Sinne unserer Kunden die Kosten zu senken", sagte Sprecher Martin May lediglich. Er fügte hinzu: "Selbstverständlich haben wir Planungen für die nächsten Jahre, wie jedes Unternehmen."

Mitte Dezember hatte sich der designierte Vattenfall-Chef Tuomo Hatakka noch angriffslustig gezeigt: "Wir werden auf dem Markt kämpfen, um Marktanteile zurück zu gewinnen", sagte er. Er sei überzeugt, dass Kunden angezogen werden könnten und Vertrauen entstehe.

Für den Kundenschwund hatten eine Preiserhöhung im Juli sowie Pannen in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel gesorgt. Hatakka wird ab Anfang Januar sein neues Amt bei Vattenfall Europe und als Leiter der neuen Business Group Central Europe im Vattenfall-Konzern antreten. Er löst damit nach nur drei Monaten den bisherigen Chef Hans-Jürgen Cramer ab.

Cramer wiederum hatte den langjährigen Chef Klaus Rauscher ersetzt, der nach heftiger Kritik an der Informationspolitik in Zusammenhang mit den Pannen in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel zurückgetreten war. Erst Ende Oktober hatte Vattenfall einräumen müssen, dass 200.000 Kunden nach der Pannenserie dem Unternehmen gekündigt hatten (mehr...).

mik/ddp