Spekulation Audi-Chef wird an der Uni geparkt
Ingolstadt - Beim Autobauer Audi ist die Verunsicherung vor der Aufsichtsratsitzung der Konzernmutter Volkswagen am Freitag groß. Branchenbeobachter glauben, dass für Paefgen nach dem geplanten Umbau des VW-Konzerns in die zwei Markenfamilien keine Aufgabe mehr vorgesehen ist. "Wir rechnen damit, dass Paefgen von Audi weggeht", sagte Audi-Aufsichtsrat Richard Polzmacher von der IG Metall am Donnerstag.
Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" hat sich der Top-Manager bereits einen neuen Job gesucht: an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Über seine genaue Funktion an der Uni wurde noch nichts bekannt. Auf diesem Weg könnte Paefgen eine gewisse Sperrzeit absitzen, um danach zu einem anderen Autobauer oder Zulieferer zu wechseln. Der Audi-Chef selbst lehnte zuletzt jeden Kommentar zu den Spekulationen über seine Person ab.
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Noch-VW-Chef Ferdinand Piëch hatte Audi im Sommer diesen Jahres Stillstand vorgeworfen. Warum Piëch Paefgen öffentlich abwatschte, ist nie wirklich klar geworden. Denn Paefgen gilt in der Branche als äußerst erfolgreicher Automanager: Audi peilt für 2002 das siebte Rekordjahr in Folge an. Piëch hatte damals angedeutet, der Audi-Chef habe sich zu wenig um die Entwicklung neuer Modelle gekümmert. In der Branche wird jedoch gemunkelt, Piëch habe in der für die Modellplanung verantwortlichen "Produkt-Strategie-Kommission" mehrere Entwürfe Paefgens persönlich abgebügelt.
Im zweiten Teil: Wer als Paefgen-Nachfolger im Gespräch ist und was der neue VW-Chef Bernd Pischetsrieder mit dem Konzern vorhat.
Pieschetsrieder will mehr Nischenprodukte anbieten
Als Nachfolger wird in Berichten der langjährige Piëch-Vertraute Martin Winterkorn gehandelt, bisher VW-Konzernvorstand für Entwicklung. Die Marke VW wird der designierte VW-Chef Bernd Pischetsrieder wohl selbst führen. Er soll den Vorstandsvorsitz mit Wirkung vom 17. April 2002 übernehmen. Pischetsrieder hat nach einem Bericht des SPIEGEL schon erste Andeutungen gemacht, wie er in Zukunft den größten deutschen Autobauer führen will. So mahnte er, der Konzern biete zu wenig Nischenprodukte wie Vans oder Roadster, mache sich aber andererseits bei Kleinwagen gleich mit drei Modellen in derselben Klasse Konkurrenz. Bisher war diese interne Kannibalisierung bei Volkswagen abgestritten worden.
Der Aufsichtsrat des Volkswagenkonzerns stellt am Freitag die Weichen für die Ära des kommenden Konzernchefs Bernd Pischetsrieder. "Planungsrunde 50" lautet der unspektakuläre Titel der Tagesordnung und eigentlich geht es um die Verteilung der Investitionsmilliarden für die Jahre bis 2006.
Viel mehr Interesse wecken aber die Entscheidungen über die zukünftige Struktur des Autobauers, die erwartet werden. Im Mittelpunkt steht die erwartete Aufteilung der VW-Familie in klassische und sportliche Marken. "Seat, Audi und Lamborghini werden im Volkswagenkonzern eine sportliche Gruppe bilden und sich mehr als bisher in den Bereichen Entwicklung, Produktion und Marketing unterstützen", sagte Pischetsrieder der "Financial Times Deutschland" in der vergangenen Woche. Umgekehrt sollen wohl auch die klassischen Marken Volkswagen, Skoda und Bentley enger zusammenrücken.
Beide neuen Gruppen werden vermutlich unter der Leitung der größten Marken stehen: Audi und VW. Damit wächst vor allem der Einfluss des Audi-Vorstandschefs gehörig: Er wird in Zukunft wohl auch den Kurs von Seat und Lamborghini mitbestimmen.