SPIEGEL-Gespräch Siemens-Chef Kleinfeld warnt die IG Metall
Hamburg - Im ersten großen Interview, das er seit seinem Amtsantritt im Januar gab, sagte Kleinfeld: "Eins ist doch klar: Nur erfolgreiche Geschäfte schaffen sichere Arbeitsplätze". Die Idee der IG Metall sei "nicht im Sinne des örtlichen Betriebsrats und der Belegschaft", sagte Kleinfeld.
Den Verkauf der Handysparte an den taiwanischen Konzern BenQ verteidigte er als "weitsichtige Lösung", von der alle profitierten - Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre. "Abstoßen ist kein Wert an sich."
Gleichzeitig kündigte der neue Siemens-Chef im: "Wir müssen schneller werden. Schneller die Zukunft sehen, schneller Patente , schneller auf Kundenwünsche eingehen." Von den 13 Bereichen des Konzerns seien zwei "deutlich von den Vorgaben entfernt" - die Sparten Communications und Siemens Business Services.
"Den 'Krieg' gewinnen Sie mit Ideen"
"Dort ist wie bei allen anderen die Innovationskraft der Schlüssel", so Kleinfeld. "Den 'Krieg' gewinnen Sie mit Ideen, nicht mit Sparmaßnahmen." Kostenstrukturen seien "nur ein Hygienefaktor ". "Wir dürfen in Deutschland auch nicht dem Irrglauben verfallen, uns über Stillstand absichern zu können", so der Siemens-Chef. "Isolationismus ist keine Lösung."
Große weltweite Wachstumschancen für die Bundesrepublik sieht Kleinfeld im Bereich Gesundheit, bei der dritten Generation des Internets, in der Gentechnik sowie bei der Energiegewinnung, wo auch die Kernkraft "enttabuisiert" gehöre. All das seien "global gesehen riesige Bereiche. Und da könnten wir Vorreiter sein."
Natürlich könne man am Ende sagen: "Dieses oder jenes wollen wir als Gesellschaft nicht. Dann muss uns aber auch klar sein, dass uns potentielle Wachstumszweige absterben. Und dass dann selbst deutsche Firmen hier nicht mehr investieren können", so Kleinfeld zum SPIEGEL.