Spielberg & Paramount Hollywoods Traumehe vor der Scheidung
New York - Ehen halten immer kürzer. Zumindest in den USA: Jedes zweite Ehepaar, so ermittelte die US-Volkszählungsbehörde Census jetzt, schafft es nicht bis zur Goldenen Hochzeit. Dazu befragten die Demoskopen rund 60.000 Amerikaner, die sich zwischen 1970 und 1974 das Jawort gaben. Nach zehn Jahren waren noch 74,4 Prozent verheiratet, nach 30 nur noch 46,2 Prozent.
Am höchsten sind die Trennungsraten vermutlich in Hollywood, Hochburg der Sexdramen und Seitensprünge. jetzt steht eine ganz besondere Hollywood-Ehe vor dem Scheitern: das VIP-Bündnis zwischen Steven Spielbergs Filmfirma Dreamworks und dem legendären Paramount-Studio, einer Tochter des New Yorker Medienkonglomerats Viacom.
Kultregisseur Spielberg und seine Partner David Geffen und Jeffrey Katzenberg, der das separate Dreamworks-Animationsstudio ("Shrek") leitet, haben die Nase voll vom Mutterhaus, das sie im Februar 2006 für 1,6 Milliarden Dollar geschluckt hat. Sie fühlen sich ausgenutzt, schlecht behandelt. Die Ehekrise ist mehr als ein Zerwürfnis unter Hollywood-Diven. Sie zeigt, wie schwer es ist, Kreativität und Wall-Street-Profitgier unter einen Hut zu kriegen.
Lang köchelte der Streit nur intern, zwischen dem Dreamworks-Dream-Team und dem herrischen Paramount-CEO Brad Grey sowie dessen Chef, dem Viacom-Patriarchen Sumner Redstone. Nun aber sind die Differenzen öffentlich geworden - alles steuert auf eine Trennung zu. "Eine Scheidung", vermeldet die "Los Angeles Times", "scheint unvermeidbar."
Schuss vor den Bug
Die Übernahme des kleinen, unabhängigen Dreamworks-Studios durch Paramount war eines der spektakulärsten Hollywood-Geschäfte der vergangenen Jahre. Spielberg und seine Partner hatten Dreamworks 1994 gegründet, nach Katzenbergs Rauswurf als Disney-Chairman. Das neue Studio war eines der ersten großen Joint-Ventures mit Wall-Street-Geldern; Microsoft -Mitgründer Paul Allen schoss 500 Millionen Dollar zu. Nach teuren Flops und dem Börsengang der Animationsabteilung aber schrammte Dreamworks immer wieder nur knapp am Ruin vorbei - bis es schließlich Zuflucht bei Paramount fand. Dem ältesten US-Filmstudio, das einst Stars wie Marlene Dietrich und Gary Cooper unter Vertrag hielt.
"Ob wir unsere Verträge erneuern, ist unklar", posaunte Spielberg- Partner Geffen, der die Milliarden-Übernahme damals eingefädelt hatte, jetzt im "Wall Street Journal" und erklärte Paramount/Viacom damit öffentlich den Krieg. Die Regie- und Produktionsverträge der Herren laufen kommendes Jahr praktischerweise aus. Schon habe man Alternativ-Deals erörtert. Man werde sicher weiter wie versprochen acht Filme pro Jahr machen. "Aber für wen wir die machen", so Geffen, "steht zur Diskussion."
Ein Schuss vor den Bug, den Paramount nicht unbeantwortet ließ. Auf einer Goldman-Sachs -Investorenkonferenz, vor hohem Wall-Street- Publikum also, feuerte Viacom-CEO Philippe Dauman zurück: "Der Deal ist für uns sehr profitabel gewesen", sagte er über die Dreamworks-Akquisition. Er habe "größten Respekt und Bewunderung" für Spielberg.
Eine Flucht der Dreamworks-Partner sei aber für die Finanzen Viacoms "völlig unerheblich" - man habe das schon längst eingeplant. "Wir sind vorbereitet und zuversichtlich, dass Paramount voranschreitet und seine Ziele erfüllen wird, ohne mit der Wimper zu zucken."
"Manche Stars sind Primadonnen"
Das saß. Spielberg-Freund Katzenberg legte sofort nach: Dauman sei "schlecht beraten. Ich finde, kühlere Köpfe sollten sich hier durchsetzen". Nur Spielberg selbst schwieg bisher; er steckt bis über die Ohren in den Dreharbeiten zu "Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull". Das vierte Kapitel der populären - und lukrativen - Indiana-Jones-Saga soll im Mai 2008 in die Kinos kommen. Womöglich nun als eines der letzten Spielberg-Projekte für Paramount.
Hinter dem Zank steckt mehr als das Geltungsbedürfnis erfolgreicher Hollywood-Stars. Bislang hat sich das Zweckbündnis für beide Seiten als förderlich erwiesen: Dreamworks revanchierte sich zuletzt bei Paramount mit einer Reihe von Hits ("Dreamgirls", "Shrek der Dritte", "Transformers"). Trotzdem hängt der Haussegen schief - was sofort an die Presse lanciert wurde. So beschwerte sich Geffen, als Paramount-CEO Grey sich mit den Lorbeeren für "Dreamgirls" schmückte - ein langjähriges Projekt Geffens, das Paramount nur mitfinanziert hatte. Auch gerät Geffen immer wieder mit Redstone aneinander, der nebenbei in einen bitteren Nachfolge- und Erbstreit mit Tochter Shari verwickelt ist. Auch Spielberg machte aus seinem Groll keinen Hehl, dass Paramount seine Dreamworks-Filme als "Paramount-Filme" propagierte. Er beklagte sich über mangelnde Autonomie und zwang Grey schließlich, ihm und seiner Produktionschefin Stacey Snider mehr Geld und Eigenverantwortung zu geben.
Zurück zum "weißen Hai"?
"Manche Stars sind Primadonnen", hatte Viacom-CEO Dauman im Mai im SPIEGEL-Interview gesagt. Damit meinte er offenbar nicht nur die vor der Kamera. Seine Drohung, problemlos ohne Dreamworks weiterzumachen, war ernst gemeint. Zwar dürften die Dreamworks-Filme dieses Jahr allein in den USA bis zu 1,4 Milliarden Dollar einspielen und damit den Großteil des Paramount-Profits bestreiten. Doch für Viacom ist das nicht viel: 2006 machte das Unternehmen insgesamt 11,5 Milliarden Dollar Umsatz.
Außerdem hat Viacom schon über die Hälfte seiner Investition in Dreamworks inzwischen wieder reingeholt. Etwa, indem es die Dreamworks-Filmbibliothek ("Gladiator", "American Beauty") für 900 Millionen Dollar an eine Private-Equity-Gruppe unter Führung des Milliardärs George Soros verkaufte. Der Rest der Summe dürfte durch Gebühren für den unabhängig laufenden Vertrieb der Dreamworks-Computertrickfilme durch Paramount wettgemacht werden.
Doch das sind nur die nackten Zahlen. Was auch zählt, ist das enorme Prestige des dreifachen Oscar-Gewinners Spielberg, der bisher mehr Geld an den Kinokassen gemacht hat als jeder andere Regisseur in der Geschichte Hollywoods. Geffen sagte dem "Wall Street Jornal": "Wir wollen unabhängig agieren und für unsere Erfolge und unsere Fehlschläge verantwortlich sein." Er werde die Entwicklungen bei anderen Hollywood-Studios genau beobachten. Schon wurde Universal als neuer Dreamworks- Partner gehandelt. Die jetzige Tochter des Industriekonglomerats General Electric (GE) war einst das Studio, bei dem Spielberg mit "Der weiße Hai" und "E.T." groß geworden war.
Es wäre süße Wiedergutmachung: Paramount hatte GE Dreamworks vor der Nase weggeschnappt. Und Spielbergs Produktionschefin Snider war zuvor Universal-Chairwoman.
Jetzt beginnt zudem der Kampf ums Sorgerecht für die Kinder - in diesem Fall: die Filme. Nach "Indiana Jones" hat sich Spielberg bei Paramount schon als Regisseur für ein Drehbuch von Aaron Sorkin ("The West Wing") verpflichtet. Außerdem steht er als Produzent für "Transformers 2" im Programm (Kinostart: Sommer 2009) sowie für eine Verfilmung des Bestsellers "In meinem Himmel", einem persönlichen Lieblingsprojekt Spielbergs, bei dem Oscar-Preisträger Peter Jackson ("Herr der Ringe") Regie führen wird.
Die Scheidung dürfte sich also hinziehen.