Spionage-Affäre: HP-Chef Hurd gerät unter Verdacht - DER SPIEGEL
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Spionage-Affäre HP-Chef Hurd gerät unter Verdacht

Noch nie habe ein Unternehmen Spionage-Programme dieses Ausmaßes aufgelegt, sagen Experten zu dem Skandal bei Hewlett-Packard. Und jeden Tag scheint die Affäre größere Ausmaße anzunehmen. Und einem Zeitungsbericht zufolge ist auch Konzernchef Hurd darin verwickelt.
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Washington - Es wird unangenehm für Mark Hurd. Bisher kam der Hewlett-Packard  -Chef bei den täglichen Enthüllungen über den Spionage-Skandal jedes Mal ziemlich glimpflich davon. Täglich kommen neue Details darüber ans Licht, wie zwei Detekteien im Auftrag des Unternehmens Reportern und Vorständen hinterher spionierten, um mögliche Kontakte festzustellen. Doch bisher geriet dabei vor allem Verwaltungsratschefin Patricia Dunn unter Druck, die die zwei Spionage-Programme mit dem Codenames "Kona I" und "Kona II" verantwortete.

Die "Washington Post" beruft sich vor allem auf zahlreiche E-Mails, die nun auch Hurd mit dem Skandal in Verbindung bringen. Zwar stammt keine von ihm persönlich oder ist an ihn gerichtet, dafür ist aber oft von ihm die Rede. Einem elektronischen Schreiben Dunns zufolge habe Hurd so etwa im Februar eine ausgefeilte "verdeckte Operation" im Bezug auf einen Reporter abgesegnet, die mögliche Verbindungen in den Konzern aufdecken sollte.

Der Hintergrund: Im Februar versuchten die Detektive für HP gerade herauszufinden, wie ein Journalist des Online-Mediums Cnet einen ausführlichen Bericht über die Zukunftsstrategien des Konzerns verfassen konnte. Zu diesem Zweck erfanden sie dem "WSJ" zufolge einen verärgerten HP-Mitarbeiter mit Namen Jacob, der sich dem Cnet-Reporter in einer E-Mail als Informant anbot. Er sollte dem Journalisten vermeintliche HP-Projekte vorstellen, unter anderem die Entwicklung eines neuen Handheld. Mit der entsprechende E-Mail sollte auch eine Software verschickt werden, um herauszufinden, ob der Journalist sie weiterleitet und, wenn ja, an wen.

Patricia Dunn sei Jacob im Rahmen einer ausführlichen Powerpoint-Präsentation vorgestellt worden, heißt es in dem Bericht weiter. Am 5. Februar habe die Verwaltungsratsschefin daraufhin in einer E-Mail an den Anwalt Kevin Hunsaker, der die Spionage-Projekte den Angaben zufolge leitete, zu diesem Plan erklärt: "Das klingt viel versprechend. Ich bin in Kontakt mit Mark (Hurd, die Red.) und werde Ihnen, sobald wir uns kurzgeschlossen haben, Nachricht geben mit einem Hinweis auf eine gemeinsame Zustimmung."

In einer späteren E-Mail schrieb Dunn: "Ich habe mit Mark gesprochen und er weiß Bescheid über den Plan, Informationen über einen neuen Handheld zu benutzen." Später schickte Hunsaker die konkreten Pläne für das Handheld-Projekt ebenfalls an Dunn, die daraufhin antwortete: "Selbstverständlich sollte alles, was möglicherweise außerhalb von HP wahrgenommen wird, Marks Zustimmung haben." Hunsaker antwortete daraufhin am nächsten Tag: "Ich habe vor wenigen Minuten mit Mark gesprochen, und er ist einverstanden mit dem Konzept und dem Inhalt."

Hurd will morgen in einer Pressekonferenz zu der Affäre Stellung nehmen. Der Spionagefall beschäftigt inzwischen längst auch die Justiz. Dabei geht es darum, ob HP bei seinen Untersuchungen illegale Methoden angewandt hat. Kaliforniens General-Staatsanwalt Bill Lockyer sagte, es sei noch unklar, wann und gegen wen die ersten Anklagen erhoben würden. "Wir sind noch mitten in den Ermittlungen", sagte er in einem Telefon-Interview.

Dunn wird sich gemeinsam mit anderen Managern am 28. September vor dem zuständigen Parlamentskongress erklären. "Ich freue mich darauf, wenn ich in naher Zukunft die ganze Sache klarstellen kann", erklärte die unter Beschuss geratene Managerin gestern, als sie trotz des Skandals offiziell in die Hall of Fame des Bay Area Council aufgenommen wurde. Diesem prestigeträchtigen Kreis gehören unter anderem auch die HP-Gründer David Hewlett und William Packard an. Dunn hat wegen der Affäre bereits ihren Rücktritt zum Januar erklären, sie will aber einfaches Verwaltungsratsmitglied bleiben.

ase/reuters

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