Spitzengehälter USA weichen Regeln zur Manager-Kontrolle auf
Berlin - Im Prinzip war der Zeitpunkt günstig, denn so kurz vor Weihnachten wenden sich die meisten anderen Dingen zu: Spät erst, am letzten Handelstag vor dem Fest, gab die US-Börsenaufsicht eine dürre Mitteilung heraus, in der über eine Detailänderung in den im Juli verabschiedeten Transparenzregeln für die Bezahlung von Managern berichtet wurde. "Die Neuregelung erleichtert den Unternehmen die Umsetzung und ist für die Anleger einfacher zu verstehen", schob SEC-Chef Cox als Begründung nach.
Doch die Hoffnung, die Öffentlichkeit würde die Kehrtwende nicht bemerken, trog. Heute veröffentlichte unter anderem die "New York Times" eine detaillierte Analyse. Und die legt nahe, dass es mit der von Cox beschworenen Transparenz nicht mehr weit her ist.
Im Juli noch war der SEC-Chef für seine Durchsetzungskraft gefeiert worden. Gegen den entschiedenen Widerstand der Wirtschaftselite hatte er neue Regeln für die Offenlegung von Managergehältern durchgesetzt. Künftig müssen die amerikanischen Publikumsgesellschaften in ihren Geschäftsberichten umfassender als bisher Rechenschaft über die einzelnen Bestandteile der Entlohnung ihrer Bosse ablegen. Der ursprünglichen Regelung zufolge müssen die fünf bestbezahlten Manager einschließlich des CEO und des Finanzchefs in Tabellenform detaillierte Angaben über die Saläre, Boni, Nebenleistungen und Wohltaten im Wert von über 10.000 Dollar (etwa die private Nutzung des Firmenjets) machen, ebenso wie über die Veränderung von Pensionsansprüchen und den Dollarwert von zugeteilten Aktien und Stock Options machen. Das Ziel: Die Gesamtgehälter sollen unter dem Strich von Unternehmen zu Unternehmen vergleichbar sein.
Speziell bei den Stock Options geht es schnell um Summen in Millionenhöhe - kein Aspekt der Managervergütung ist derart umstritten. Endgültig bestätigt sahen sich die Kritiker in diesem Sommer als gleich mehrere Optionsskandale ans Licht kamen. Gegen jede Börsenregel hatten einige US-Firmen die Aktienoptionen ihrer Führungskräfte auf einen Tag rückdatiert, an dem der Aktienkurs des Unternehmens besonders niedrig lag. Die Begünstigten strichen Millionengewinne ein.
Der Verschleierung solcher Zusatzverdienste hatte die SEC einen Riegel vorschieben wollen. Die ursprüngliche Regelung sah vor, dass die erwarteten Zuwendungen bereits von Anfang an angegeben werden sollten, auch wenn die Zuteilung der Optionen erst einige Jahre später erfolgt. Die neue Regelung sieht dagegen vor, dass der Gesamtbetrag auf die Anzahl der Jahre aufgeteilt wird. Wenn dagegen der Betreffende bei vorzeitigem Ausscheiden seine Optionen einlösen machen kann, muss die Gesamtsumme angegeben werden.
Die Neuregelung enthalte eine weitere Verschlechterung gegenüber der Juli-Version, schreibt die "New York Times": Einige Manager könnten aus der Liste der fünf Topverdiener, für die die Rechenschaftspflicht gilt, herausfallen, obwohl sie unter Umständen Optionen in großer Höhe eingeräumt bekommen würden. Damit aber, so analysiert das Blatt, sei die erhoffte Transparenz nicht mehr gewährleistet, denn vorzeitig ausscheidende Manager erscheinen als auf den ersten Blick als viel besser bezahlt. Oft lasse sich erst nach mühsamer Zusammenstellung aller relevanten Faktoren ein vergleichbares Gehalt ermitteln - der Vorteil gegenüber der früheren Regelung sei damit dahin.
Es bleibt abzuwarten, inwieweit die SEC die geäußerte Kritik an den jetzigen Änderungen berücksichtigen wird. 30 Tage wolle man Einwände entgegennehmen, hieß es aus der Behörde. Man habe aber durchblicken lassen, so die "NYT", dass es bei der jetzt gefundenen Regelung bleibt.
mik