Spitzengespräch Verhandlungen um Opel-Sanierung stocken
Rüsselsheim - Der Betriebsrat in Bochum rief alle Menschen im Ruhrgebiet zu einer Solidaritätskundgebung unter dem Motto "Es geht um unsere Zukunft" auf. Im Opel-Werk Kaiserslautern wollen 2500 Beschäftigte ihre Arbeit zeitweise niederlegen. Nach Angaben aus der IG Metall wird es in ganz Europa - von Trollhättan in Schweden bis nach Azambuja in Portugal - zeitgleich Aktionen geben.
"Ich gehe davon aus, dass sich die Personaleinsparziele erheblich relativieren lassen", sagte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Klaus Mehrens. Die Sanierungsgespräche stünden aber erst am Anfang. Den General-Motors-Plänen zufolge sollen rund 10.000 Stellen binnen zwei Jahren in Deutschland wegfallen. Die Standorte Bochum und Rüsselsheim sind nach Betriebsratsangaben mit jeweils 4000 Stellen am stärksten betroffen
An der ersten Verhandlungsrunde nahmen keine prominenten IG-Metall-Funktionäre teil. Ein Spitzengespräch zwischen Opel und der Gewerkschaft für die kommenden Tage wurde aber nicht ausgeschlossen.
Ein Betriebsrat, der am Morgen an den Verhandlungen in Rüsselsheim teilgenommen hatte, sagte den Arbeitern vor dem Bochumer Werkstor: "Im Westen nichts Neues." Die Verhandlungen hätten bisher keine Ergebnisse gebracht, die Fronten seien verhärtet. Er behauptete: "Mit eiskalter Miene wurde uns gesagt: 'Jeder zweite von euch soll arbeitslos werden'."
Die Arbeitnehmerseite bekräftigte unterdessen ihre Bereitschaft, einen Beitrag zu der von General Motors geplanten Kostenreduzierung in Höhe von 500 Millionen Euro zu leisten. Für die Sanierungsgespräche sei es aber notwendig, dass es eine Bestandsgarantie für alle Werke gebe und betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen würden. "Der Preis muss klar sein", hieß es. Von der Opel-Geschäftsführung wurde ein Signal gefordert.
Mehrens schätzt, dass morgen auch in Rüsselsheim die Produktion zeitweise ruhen werde. In Bochum ist die Produktion bereits seit Donnerstag durch einen wilden Streik lahmgelegt. Der Produktionsausfall bis Montag wurde von dem Unternehmen mit 1500 Fahrzeugen angegeben.
Werkstore von Streikposten blockiert
Aus Bochum kommen Teile für fast alle anderen Opel-Werke in Europa. Die Fabrik in Antwerpen, die den Astra baut, bekommt aus Bochum unter anderem Fahrwerksteile zugeliefert. Die Früh- und die Spätschicht könnten dort noch normal arbeiten, sagte ein Werksprecher. Für die Nachtschicht würde der Nachschub jedoch knapp.
Die Werksleitung in Bochum zeigte sich nicht zu einem Gespräch mit der Belegschaft bereit, rief sie jedoch auf, die Produktion wieder anzufahren. "Die Wiederaufnahme der Arbeit wird dem Standort Bochum nutzen!", hieß es in einem Flugblatt, das vom Werksschutz verteilt wurde. Arbeitswillige sollten sich bei ihren Vorgesetzten melden und bei Konflikten den Werksschutz informieren.
In Bochum hatte die Belegschaft am Morgen einstimmig entschieden, dass die seit Donnerstag ruhende Fertigung nicht wieder aufgenommen wird. Sprecher der Belegschaft forderten erneut als Bedingung für eine Wiederaufnahme der Produktion ein Gespräch mit der Werksleitung und den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Nach Angaben von Augenzeugen wurde am Montag im Presswerk und bei der Teilefertigung in geringem Umfang gearbeitet. Die Komponenten für europäische Werke konnten jedoch nicht ausgeliefert werden, weil die Werkstore von Streikposten blockiert wurden.
Uneinigkeit gab es darüber, wie die Arbeitsniederlegung in Bochum zu werten ist. Aus Sicht der IG Metall handele es sich nicht um wilde Streiks, sondern um eine "Kette von Informationsveranstaltungen", sagte ein Sprecher. "Die Beschäftigten machen nur von ihrem im Betriebsverfassungsgesetz verankerten Informationsrecht gebrauch." Nach Ansicht einiger Arbeitsrechtler handelt es sich bei der sei Donnerstag andauernden Arbeitsniederlegung jedoch um einen wilden Streik, also um einen Ausstand ohne Urabstimmung.
Bundespräsident Horst Köhler sprach den Beschäftigten seine Anteilnahme aus. "Ich will die Gelegenheit nutzen und meine Sympathie und mein Mitgefühl für alle betroffenen Mitarbeiter an den Standorten Bochum und Rüsselsheim zum Ausdruck zu bringen", sagte er bei einem Besuch in München.