Spitzenverdiener: Auch Topmanager sollen Gehaltsverzicht üben - DER SPIEGEL
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Spitzenverdiener Auch Topmanager sollen Gehaltsverzicht üben

Im Streit um längere Arbeitszeiten und niedrigere Löhne geraten deutsche Topmanager unter Druck. Politiker aller Parteien fordern Gehaltsverzicht als Signal an die Arbeitnehmer. Der DaimlerChrysler-Vorstand erklärte sich schon dazu bereit, eine Lösung des Konflikts mit ihren Mitarbeitern scheint in Sicht.
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Berlin - Wenn die Arbeiter und Angestellten Einschnitte hinnehmen müssen, sollen die deutschen Führungskräfte als Vorbilder vorangehen und eigene Spar-Beiträge leisten. Politiker schlugen Topmanagern am Wochendenende vor, Abstriche bei ihren Gehältern zu machen.

Bei DaimlerChrysler bewegt sich der Vorstand bereits. Dort verlangt die Führungsspitze Zugeständnisse, die Beschäftigte "beim Daimler" für Zumutungen halten - längere Arbeitszeiten und den Verzicht auf Arbeitnehmerrechte. Der Streit eskaliert, am Samstag legten über 10.000 Beschäftigte in Sindelfingen und Untertürkheim aus Protest die Arbeit nieder. Für Dienstag sind weitere Aktionen geplant, dann will die komplette Spätschicht in Sindelfingen die Arbeit ausfallen lassen.

Nun wollen die Topmanager von DaimlerChrysler den Konflikt entschärfen und boten einen Gehaltsverzicht an. Unternehmenssprecher Thomas Fröhlich bestätigte Berichte der "Bild am Sonntag" und der "Berliner Morgenpost". Eine Lösung müsse allerdings bis Monatsende gefunden werden. Die Zeitungen hatten unter Berufung auf Unternehmenskreise gemeldet, DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp und seine Kollegen wollten auf bis zu zehn Prozent ihrer Einkommen verzichten. Die Zahl konnte Fröhlich indes nicht bestätigen. Die Schätzungen über Schrempps Jahresgehalt reichen von 7,5 bis 10,8 Millionen Euro. Das Top-Management unterhalb der Führungsebene soll für das kommende Jahr zumindest den Verzicht auf eine Gehaltserhöhung angeboten haben.

Schrempp sagte, er rechnete mit einer baldigen Einigung im Konflikt um die Personalkosten, die DaimlerChrysler deutlich drücken will: "Ich bin zuversichtlich, dass wir in Kürze eine Lösung herbeiführen", sagte der Konzernchef der "Welt am Sonntag". Auch der Betriebsrat scheint zu Zugeständnissen bereit. Nach Medienberichten vom Wochenende könnte es beispielsweise für die Beschäftigten in Kantine, Druckerei, Werksschutz und Putzkolonnen einen Ergänzungstarifvertrag geben, mit dem sie nicht mehr nach den hohen Tarifen der Metallindustrie entlohnt würden. Auch "Jungfacharbeuter" könnten künftig schlechter bezahlt werden. IG-Metall-Vize Berthold Huber betonte allerdings, es gebe Grenzen für ein Entgegenkommen der Gewerkschaft: Die Wiederholung der Forderung "Wir wollen 500 Millionen von euch" sei nicht kompromissfähig, so Huber in der "Stuttgarter Zeitung".

"Arbeitnehmer ausgepresst wie eine Zitrone"

Aus der Politik mehren sich die Forderungen, dass es auch Sparbeiträge der Führungskräfte geben müsse. "Die Manager in den oberen Etagen sollten mit gutem Beispiel vorangehen und so wie bei der Lufthansa damals auf zehn Prozent ihres Gehalts verzichten. Da käme schon einiges zusammen. Es wäre ein Signal an die Arbeitnehmer", sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck der "Bild am Sonntag". Pauschale Forderungen nach Arbeitszeitverlängerungen und Urlaubskürzungen bei Arbeitnehmern seien "einfältig und abstrus". Bei der Arbeitszeit werde mehr Flexibilität gebraucht - "aber nach beiden Seiten". Einige Unternehmen versuchten, ein "Drohpotenzial mit völlig überzogenen Redaktionen aufzubauen", kritisierte der stellvertretende SPD-Vorsitzende.

Sein nordrhein-westfälischer Kollege Peer Steinbrück wählte ähnlich scharfe Worte. Es sei ungerecht, dass Tomanager "inzwischen das 240-Fache dessen verdienen, was im Schnitt ihre Beschäftigten nach Hause bringen", so der SPD-Politiker. Noch vor 30 Jahren hätten Vorstände im Schnitt lediglich 30-mal so viel verdient wie die Arbeitnehmer. "Hier ist etwas aus dem Ruder gelaufen", sagte der Ministerpräsident. Es gehe nicht an, "dass diejenigen, die selbst Millionen-Gehälter bekommen, Geringverdienern im Wochentakt abverlangen, sie sollten den Gürtel enger schnallen".

FDP-Chef Guido Westerwelle sieht die Manager ebenfalls in der Pflicht: "Was man von Arbeitnehmern verlangt, müssen auch Wirtschaftsführer sich selbst zumuten." Umdenken könne keine Einbahnstraße sein. Auch CDU-Vize Christoph Böhr forderte, notwendige Kostensenkungen nicht allein auf dem Rücken der Arbeitnehmer auszutragen.

IG-Metall Chef kritisierte die Topmanager erneut scharf: "Sie glauben, die Probleme ausschließlich in den Griff zu kriegen, indem sie die Arbeitnehmer auspressen wie eine Zitrone." Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering warf Konzernchefs vor, die Arbeitnehmer knebeln zu wollen. Für die Millionengehälter von Spitzenmanagern wie Schrempp habe er keinerlei Verständnis. "Die Beträge, die sich manche Großverdiener bei uns in die Tasche stecken, sind jenseits aller Moral", sagte er in der "Berliner Zeitung".

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) signalisierte Verständnis für die Forderung nach Einkommensverzicht in den Führungsetagen. "Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir alle mehr leisten", sagte BDA-Chef Dieter Hundt, das gelte "selbstverständlich ganz besonders auch für Führungskräfte, die in jeder Hinsicht ein Vorbild sein müssen". Hundt hatte von den Unternehmensvorständen bereits im März eine Offenlegung der Managergehälter verlangt und Justizministerin Brigitte Zypries im Mai sogar mit einer gesetzlichen Regelung gedroht, um mehr Transparenz zu erreichen.

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