Sponsoring-Idee US-Städte wollen McPolice einführen
Charlotte - Die Chefs von Government Acquisitions (GA) sind patriotisch gesinnt, keine Frage. Ein animiertes Sternenbanner flattert auf der Website der Firma aus Charlotte, ihr neuestes Projekt dient laut Eigenwerbung der "Sicherheit des Heimatlandes". Zielgruppe sind die Bürgermeister finanziell ausgebluteter Kommunen, überall in den 50 Bundesstaaten der USA.
Die Polizei der Stadt bekommt keinen Zuschuss von der Regierung? Die Steuereinnahmen vor Ort reichen vorne und hinten nicht? GA verspricht eine Lösung. Eine Fotomontage eines Polizeiwagens mit einem rot-gelben McDonald's-Logo auf der Motorhaube lässt ahnen, wie sie aussehen könnte.
Schon zwanzig abgeschlossene Verträge
GA arbeitet als Sponsoring-Makler und vermittelt Städten praktisch kostenlose Polizeiwagen. Die Kommunen zahlen lediglich einen symbolischen Dollar pro Auto, gehen gleichzeitig aber einen mehrjährigen Werbevertrag ein. Der Sponsor erhält das Recht, sein Logo auf die Autos zu kleben. Die Werbeverträge sollen nicht nur die Anschaffung der Wagen finanzieren, sondern auch Wartung und Reparatur. Bisher sieht es so aus, als kämen neben landesweit tätigen Großkonzernen auch lokale Unternehmen oder sogar Anwaltskanzleien als Sponsoren in Frage.
Noch hat GA keinen der PR-verzierten Wagen ausgeliefert, das soll frühestens in drei Monaten passieren. Verträge mit zwanzig Kommunen sind nach Angaben von "USA Today" aber bereits abgeschlossen, weitere 200 Städte hätten Interesse bekundet. Berichte bei CNN und anderen TV-Sendern verhalfen dem Unternehmen zu Prominenz.
Welcome to Microsoft City
Schon seit Jahren mühen sich amerikanische Städte und kommunale Einrichtungen, durch immer neue Sponsoring-Ideen ans Geld privater Unternehmen zu kommen. Schulbezirke schließen Lizenzverträge mit Soft-Drink- oder Fast-Food-Giganten, ein Städtchen in Missouri vermarktet Werbeflächen auf Müllwagen. Auf den Türmen der Rettungschwimmer an der Küste von San Diego soll künftig Werbung für General Motors prangen. Das kleine Örtchen Biggs überlegt ernsthaft, sich in Got Milk? umzubenennen, um an Gelder des kalifornischen Verbandes der milchverarbeitenden Industrie zu kommen.
Mit den Plänen fürs Polizei-Sponsoring scheint GA aber selbst in den USA an ein Tabu gerührt zu haben. Derlei Verträge seien sehr kurzsichtig, kritisiert ein Volkswirt im Interview mit "USA Today". Die wirtschaftliche Lage werde sich ob kurz oder lang bessern, und mit ihr die Einnahmesituation der Gemeinden. Ein Werbe-Experte der Seton Hall University fürchtet Interessenkonflikte. Es sei zum Beispiel denkbar, dass die Polizei bei Rechtsbrüchen durch Sponsoren nicht so genau hinschauen würde.
Auch vielen Gemeinden ist das Angebot nicht geheuer. "Das ist zu schön, um wahr zu sein", sagte ein Bürgermeister zu "USA Today", und vermutet, dass es irgendeinen noch unbekannten Haken gibt. Viele aber meinen, keine Alternative zu haben. Manchmal müsse man eben auch Prinzipien brechen, urteilt der Polizeichef von Springfield in Florida. Und der Bürgermeister des Örtchens Ozark in Alabama sagt: "Wir versuchen's. Wir haben nichts zu verlieren."