Spracherkennung: Marktführer vor dem Aus - DER SPIEGEL
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Spracherkennung Marktführer vor dem Aus

Der Weltmarktführer für Spracherkennungssoftware, Lernout & Hauspie, steht offenbar kurz vor dem Ruin. Nach der Staatsanwaltschaft treiben nun auch die Gläubiger das Unternehmen in die Enge.
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Ieper - Das belgische Unternehmen bat in den USA um Schutz vor den Gläubigern und beim Handelsgericht im belgischen Ieper um einen Insolvenzverwalter zur Umstrukturierung. Vier Banken teilten am Donnerstag mit, dass sie von dem Software-Unternehmen bereits am Montag Kredite von mehr als 400 Millionen US-Dollar zurückgefordert hatten.

Die Kreditgeber Deutsche Bank, Fortis Bank, KBC Bank und Artesia teilten in einem gemeinsamen Schreiben mit, dass sie "nicht mehr an die Bonität des Unternehmens glaubten". Sie gaben als Grund eine Gewinnwarnung, Unregelmäßigkeiten in der Bilanzierung und bedeutende Änderungen in der Unternehmensleitung an. "Darüber hinaus ließ der Revisionsbericht von KPMG auf sich warten und wurde kein akzeptabler Restrukturierungsplan vorgelegt."

Die belgische Staatsanwaltschaft und die amerikanische Börsenaufsicht SEC ermitteln wegen Unregelmäßigkeiten in der Rechnungslegung von Lernout & Hauspie (L&H). Sie wollen prüfen, ob die Bilanzen und Erfolgsrechnungen für die Jahre 1998, 1999 und 2000 dem Gesetz entsprochen haben. Das Unternehmen hat "Fehler und Unregelmäßigkeiten" eingestanden, die Firmengründer und bisherigen Vorstandschefs Jo Lernout und Pol Hauspie sind zurückgetreten. Die Aktien, die seit mehr als drei Wochen vom Handel ausgesetzt sind, hatten an der US-Technikbörse Nasdaq und der europäischen Easdaq 90 Prozent an Wert verloren.

Nach Angaben des Softwareherstellers war es zu den Problemen gekommen, als ein "ernsthafter Liquiditätsengpass" in einer südkoreanischen Niederlassung entdeckt worden sei. Ein Sprecher der KBC Bank betonte, dass die Banken erst durch einen Zeitungsartikel am Donnerstag davon erfahren hätten, dass 100 Millionen US-Dollar bei der koreanischen L&H-Tochter verschwunden sein sollen. Im Mai und Juni dieses Jahres hatte das belgische Unternehmen mit Krediten die beiden Unternehmen Dictaphone und Dragon Systems gekauft.

Nun prüft ein Gericht die Kreditwürdigkeit von L&H und entscheidet über das weitere Vorgehen. Ob die Banken einer Umwandlung von Schulden in Aktien zustimmen werden, hängt nach Angaben des Bank-Sprechers vom Gesamtplan zur Rettung des Unternehmens ab. Die erst am Mittwoch bekannt gewordene Klage ehemaliger Dictaphone-Aktionäre gegen L&H sei ein neuer Faktor, der beim Widerruf der Kredite am 27. November noch nicht bekannt gewesen sei. All diese Faktoren machten es unmöglich, eine klare Einschätzung der Lage abzugeben.