Springer-Anteile Schweizer Verleger als Weißer Ritter
Hamburg/München - Noch allerdings sind Springer und Ringier-Chef Michael Ringier von einer Übereinkunft weit entfernt. Denn nach Informationen des "Handelsblatts" ist Ringier-Chef Michael Ringier nur unter der Bedingung an einem Einstieg interessiert, dass Frau Springer ihm erheblichen Einfluss auf wichtige Unternehmensentscheidungen einräumt. Außerdem verlangt der Schweizer Verleger einen Sitz im Aufsichtsrat. Zu solchen Zugeständnissen aber ist Frau Springer nicht bereit.
Eine Einigung von Springer und Ringier käme dem Münchener Medienhändler Leo Kirch sehr gelegen. Denn auch für ihn kommt der Schweizer Medienkonzern als Käufer in Betracht. Der Medienmogul verhandelt nach Auskunft eines Kirch-Vertrauten bereits seit einigen Wochen parallel mit dem Essener "WAZ"-Konzern und Ringier. Findet Kirch nicht rasch einen Käufer, fällt das Springer-Paket als Pfand an die Deutsche Bank. Das Landgericht München will am kommenden Dienstag darüber verhandeln, ob die Frist für Kirch noch einmal verlängert wird.
Mit der heutigen einstweiligen Verfügung des Landgerichts München ist sein Verhandlungsspielraum noch weiter geschrumpft. Das Gericht folgte der Ansicht des Axel-Springer Verlags, nach der Kirch seinen 40-Prozent-Anteil ohne dessen Zustimmung nicht verkaufen kann. Nach Einschätzung einer Verlagssprecherin ist es Kirch damit gleichzeitig untersagt, treuhänderisch für andere Unternehmen die Stimmrechte seiner Aktien wahrzunehmen. Sollte die einstweilige Verfügung im anschließenden Prozess bestätigt werden, wäre die "WAZ"-Gruppe als möglicher Kandidat aus dem Rennen.
Damit steigt Ringier also, quasi als eine Art kleinster gemeinsamer Nenner, für alle Beteiligten zum Königskandidaten für die Kirch-Nachfolge auf. Vom Sortiment her gesehen, würde das sogar ganz gut passen. Der Ringier-Verlag ist der größte Schweizer Medienkonzern und in Familienbesitz. Flaggschiffe sind die Boulevardzeitungen "Blick" und "Sonntags-Blick". Auch die "Schweizer Illustrierte" und die Wirtschaftszeitung "Cash" erscheinen unter Ringier-Regie. Daneben hält der Verlag umfangreiche Beteiligungen an Zeitungsverlagen in Osteuropa.
Auch was die Auswahl der Themen betrifft, sind bei beiden Verlagen durchaus Übereinstimmungen festzustellen. Ringier hatte Mitte des Jahres mit der Berichterstattung um den vermeintlichen Skandal um den früheren Schweizer Botschafter in Berlin, Thomas Borer, Aufsehen erregt. Borer hatte in diesem Zusammenhang seinen Posten räumen müssen. Später stellte sich heraus, dass der Ringier-Verlag die öffentlichen Vorhaltungen über eine angebliche Affäre des Botschafters mit einer Berliner Visagistin nicht beweisen konnte, weil die Kronzeugin ihre Aussage widerrief.