Springer/Ringier: Poker um den Ehevertrag - DER SPIEGEL
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Springer/Ringier Poker um den Ehevertrag

Leo Kirch könnte als unfreiwilliger Trauzeugen bei der Verlags-Elefantenhochzeit des Jahres in die Geschichte eingehen. Vom Ex-Mogul unter Druck gesetzt, haben die Verlage Springer und Ringier ihre Verhandlungen über eine Fusion beschleunigt.
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Berlin - Der Plan reifte bereits im vergangenen Jahr. Ringier und der Axel Springer Verlag könnten zum größten Verlagshaus Europas fusionieren - ein Verlagsriese mit einem jährlichen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro würde entstehen. Jetzt verleiht das Gerangel um das Aktienpaket von Leo Kirch den Verhandlungen Flügel.

Der Plan: Der Axel Springer Verlag übernimmt die Ringier-Gruppe vollständig, die Schweizer kaufen für den Erlös einen Anteil an dem deutschen Zeitungsriesen. Natürlich finden die Gespräche hinter verschlossen Türen statt und offiziell will sich niemand der Beteiligten über die Inhalte äußern. Aber immerhin bestätigen Teilnehmer beider Seiten, dass verhandelt wird.

Auf dem Weg zur Fusion gibt es allerdings noch mehrere Hürden. "Der Knackpunkt ist die Bewertung von Ringier", war aus Verhandlungskreisen zu erfahren. Die Schweizer taxieren den Wert ihres Hauses auf rund 800 Millionen Euro - also zufällig auf den Wert, der auch für das Aktienpaket von Kirch zu Buche schlagen würde. Mit anderen Worten: Für die Aufgabe der eigenen Selbstständigkeit verlangt Verleger Michael Ringier rund 40 Prozent am Springer-Verlag. "Völlig illusorisch", heisst es aus Springer-Kreisen. Ringier müsse zusätzliches Geld aufbringen.

Auch über den Anteil, den Ringier am künftigen Print-Multi halten soll, sind sich die Beteiligten nicht einig. Denn Hauptgesellschafterin Friede Springer will fünf Prozent des Kirch-Paketes für sich reservieren, um ihre Mehrheit am Unternehmen abzusichern. Die Witwe des Verlagsgründers streitet vor Gericht mit dem Springer-Enkel und Minderheitsaktionär Axel Sven Springer, der sich bei der Aufteilung des großväterlichen Erbes benachteiligt sieht.

Für den Springer-Verlag wie für Ringier hätte eine Fusion wohl erhebliche strategische Vorteile. Mit ihren jeweiligen Flaggschiffen "Bild" und "Blick" sind beide Häuser Marktführer in ihren Heimatländern. In Osteuropa, als Wachstumsmarkt von zentraler Bedeutung, machen sie sich kaum Konkurrenz. Auch kartellrechtliche Probleme sind nicht zu befürchten.

Einig sind sich beide Verlagshäuser angeblich schon in der Besetzung von Aufsichtsrat und Vorstand. Neben einem Mandat im Kontrollgremium soll Ringier zwei Posten in einem erweiterten Vorstand bekommen.

Unterdessen sind Kirchs Springer-Aktien in den Besitz der Deutschen Bank übergegangen. Das Landgericht München wies am Freitag den Antrag Kirchs auf eine einstweilige Verfügung zurück. Es gebe keinen Grund für eine Verlängerung der Frist zur Eigenverwertung, erklärte das Gericht. Die Entscheidung sei vorläufig vollstreckbar. Am Freitag war die Frist für Leo Kirch ausgelaufen, seinen für einen Kredit an die Deutsche Bank verpfändeten 40-Prozent-Anteil an Springer selbst zu verkaufen.

Kirch hat aber noch eine Chance, die Verhandlungen mit Ringier zu stören. Für kommenden Dienstag hat der Filmrechtehändler eine außerordentliche Springer-Hauptversammlung nach Berlin einberufen lassen. Dort will er eine Sonderprüfung der Bilanz und Schadensersatz durchsetzen. Er wirft Springer-Chef Mathias Döpfner vor, mit der ausgesprochenen Verkaufsoption von 11,5 Prozent an der ProSieben-SAT.1 AG den Kirch-Niedergang ausgelöst zu haben - auch zum Schaden von Anteilseigner Springer.