Staatseigentum: Britische Atomkraftwerke im Angebot - DER SPIEGEL
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Staatseigentum Britische Atomkraftwerke im Angebot

Die britische Regierung plant im großen Stil den Verkauf von Staatsbeteiligungen. Mit den Einnahmen will Schatzkanzler Gordon die öffentlichen Schulen sanieren.
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London - Brown will vor allem Staatseigentum im Energiesektor verkaufen. So sei unter anderem die Trennung von dem 65-Prozent-Anteil am Atomkraftwerkbetreiber British Energy geplant. Auch die Abgabe der Beteiligung an dem Nuklearunternehmen Urenco komme in Frage. Die Firma betreibt unter anderem die Wiederaufbereitungsanlage Sellafield.

Die britische Tageszeitung "Guardian" taxiert den Wert der zum Verkauf stehenden Energieaktivitäten auf 15 Milliarden Pfund bis 20 Milliarden Pfund. Zusätzlich dazu hat die Regierung in London bereits Beteiligungsverkäufe im Wert von 30 Milliarden Pfund geplant. Die Summe soll unter anderem durch die Veräußerung von staatlichen Wettbüros oder durch die Trennung von Schießständen der Armee zusammenkommen.

Insgesamt will Brown bis 2010 50 Milliarden Pfund einnehmen. Das Geld will der Schatzkanzler unter anderem in den Bildungssektor investieren. Gestern kündigte er ein Milliarden-Programm für die öffentlichen Schulen in Großbritannien an. Diese sollten in absehbarer Zeit das Niveau von Privatschulen haben. Insgesamt sollen allein 36 Milliarden für mehr Lehrer und bessere Unterrichtsmaterialien ausgegeben werden. Ferner gab Brown bekannt, dass die Ausgaben für Entwicklungshilfe auf 0,7 Prozent des BIP gesteigert werden sollen.

Der Labour-Politiker erklärte zudem, die Steuern auf besonders schadstoffreiche Allrad-Autos deutlich zu erhöhen. Bei Fahrzeugen, die die Umwelt weniger belasten, sollen die Abgaben gesenkt werden. Auch auf Zigaretten, Wein und Bier sollen künftig mehr Steuer gezahlt werden müssen.

Die britische Wirtschaft wird nach seiner Einschätzung in den kommenden Jahren Wachstumslokomotive in Europa bleiben. Bei der Vorlage des Haushaltsentwurfs für 2006/06 ging er von einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zwischen zwei und 2,5 Prozent aus. In den Jahren 2007/08 soll es dann auf 2,75 bis 3,25 Prozent steigen. Die Neuverschuldung soll auf 37 Milliarden Pfund begrenzt werden.

Mit den Vorhersagen hielt sich Brown, der als möglicher Nachfolger von Premierminister Tony Blair gehandelt wird, an die bisherigen Prognosen. Der Schatzkanzler sagte, die britische Wirtschaft sei stark und werde immer stärker. Mit einem durchschnittlichen Plus von 2,8 Prozent habe man seit der Amtsübernahme der Labour-Regierung 1997 ein höheres Wirtschaftswachstum als die anderen Länder in Europa. Im Vergleich mit den anderen großen Industrienationen liege Großbritannien beim Pro-Kopf-Einkommen hinter den USA auf Platz zwei.

suc/dpa